Euphorie | Wenn wir in den Flow kommen: Warum Sport so glücklich macht, ohne dass wir es verstehen |
Wusch-wusch … wusch-wuuuuusch … bonk-klack … bfuuuuuuhhhh: Zur Faszination des Sports gehört, dass er sich kaum verbalisieren lässt. Natürlich können wir im Stil der Sportreportage beschreiben, was Sporttreibende tun, wir können auch allerlei passende und unpassende Sprachbilder oder Adjektive dafür finden, wie sie dabei aussehen. Was aber das konkrete Erlebnis des Sporttreibens ausmacht, wie sich also dessen Vollzug anfühlt, dafür fehlen uns die Worte. Dabei betreibt man Sport ja gerade um dieses Erlebens willen.
Noch die lautmalerischste und comic-sprachlichste Annäherung gibt nicht wider, was zum Beispiel ich erlebe, wenn ich mit dem Skateboard erst durch eine kurze Ecke eines sogenannten Bowls „pushe“ (wusch-wusch). Ein Bowl ist das englische Wort für Schüssel, für Skater große in den Boden eingelassene Becken. Oder wenn ich in der folgenden langen Ecke noch mehr Druck und damit Schwung aufbaue (wusch-wuuuuusch), damit ich schnell genug werde, die Hinterräder an die Oberkante der Steilwand poppen zu lassen, auf die ich jetzt zufahre (bonk), wodurch das Brett mir in die Hand springt und beim Greifen der Ring an meinem Finger ein charakteristisches Geräusch verursacht (klack) – und ich dann nach dem Sprungmanöver die Räder im vertikalen Teil jener Steilwand möglichst sanft aufsetze und diese herunterfahre, wobei sich der Körper im Gelingensfall streckt und kurzzeitig entspannt (bfuuuuuuuuh), bevor er sich daran machen muss, die nun aufgenommene Geschwindigkeit in der nächsten Ecke der Anlage zu kanalisieren und zu nutzen, die ich in einer knappen Sekunde erreicht haben werde.
Können Sie nach dieser wortreichen Beschreibung nachempfinden, was mich an dieser Bewegung so reizt, ja glücklich macht? Vermutlich eher nicht. Und diese Unbeschreibbarkeit ihres tatsächlichen Vollzugs betrifft alle Sportarten, nicht nur bewegungstechnisch recht komplexe wie meine, das Rollbrettfahren auf Rampen mit Rundungen.
Wie genau geht etwa ein Schwimmzug in der Butterfly-Lage? Versuchen Sie sich mal an einer Ausformulierung unterhalb von 200 Wörtern. Na? – Ich wette, wirklich nachvollziehbar beschreiben werden Sie die Schwimmbewegung auch mit 300 Wörtern nicht. Selbst das Erleben der bei oberflächlicher Betrachtung simpelsten aller Sportarten entzieht sich erstaunlich weitgehend der sprachlichen Kommunizierbarkeit: nämlich dem Laufen.
Wie genau sich ein „Runner’s High“ anfühlt, also die rauschähnliche Euphorie, die sich nach einiger Zeit einstellen kann, können Worte konkret nicht wiedergeben. Gleiches gilt für die körperlich-emotionalen Zustände, die jenem Stimmungshoch vorangehen oder nachfolgen können. Aus vermutlich genau diesem Grund gibt es so viele, so lange und oft sehr liebenswerte, aber letztlich eben immer blumig-abstrakte Intellektuellen-Texte gerade........