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Kuba | Neuland unterm Bio-Pflug

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14.09.2021

Bis auf den letzten Stuhl war der Saal Carlos Finlay, nach dem kubanischen Entdecker des Moskitos als Überträger des Gelbfiebers benannt, besetzt, als Russland Gastland der Internationalen Buchmesse in Havanna war. Die Festung San Carlos de la Cabaña wimmelte von Delegationen und Schriftstellern. Bei einer Buchpräsentation saßen Wissenschaftler auf dem Podium, es ging um genmanipuliertes Saatgut in der einheimischen Landwirtschaft und die Veröffentlichung Transgene. Was gewinnt man? Was verliert man? – verfasst von Fernando Funes-Monzote, Agroingenieur und Forscher an der Universität Matanzas, und Eduardo Freyre Roach, Professor für Agrarsoziologie und Bioethik in Havanna. „Immer mehr Studien belegen, wie sehr die Anwendung von genmanipuliertem Saatgut die menschliche Gesundheit, den Erhalt der Ökosysteme, die Lebensgrundlage der ländlichen Bevölkerung und die Nahrungssicherheit in Gefahr bringt“, so die These der engagierten Wissenschaftler. Ihnen saß der Vizedirektor des Zentrums für Genetik und Biotechnologie von der Universität Havanna gegenüber und meinte, die kubanische Variante FR-Bt1 mache den Mais gegen die gefährliche Maismotte resistenter, die ganze Ernten vernichte. Zwei Positionen, die in eine hitzige Debatte führten.

Das war im Februar 2010, die Kontroverse stand im Zeichen der verheerenden Schäden, zu denen Tropenstürme 2008 geführt hatten. Mittlerweile ist die Diskussion erneut entfacht. Lebensmittel sind auf der Karibikinsel so knapp wie zuletzt in den 1990er Jahren. Das von Donald Trump verschärfte Wirtschaftsembargo besteht weiter, die Pandemie trägt das Ihre bei. Die Antwort darauf ist der massive Einsatz kubanischer Transgene, per Dekret im Vorjahr auf den Weg gebracht. „Wir versuchen, die Produktion notgedrungen auf Trockenmais für Tierfutter umzustellen“, erklärte der Agrarforscher Mario Pablo Estrada Ende 2020.

Fernando Funes-Monzote, der 1971 geborene Agraringenieur, hat hingegen praktisch bewiesen, dass eine auf Biodiversität beruhende ökologische Landwirtschaft effizient produzieren kann. Selbst in Zeiten der Pandemie. Funes und seine Familie........

© der Freitag


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