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Interview | „Einmischung braucht Kuba nicht“

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24.07.2021

Zunächst haben die Sicherheitskräfte bei den sozialen Protesten in Kuba mit Härte reagiert. Dann gab es ein Dialogangebot der Regierung, der bewusst sein dürfte, dass die Versorgungslage in den 1990er Jahren prekärer war als heute, doch auf mehr Verständnis stieß. Die Blockade des Internets, der Apagón, ist mittlerweile wieder aufgehoben.

der Freitag: Herr Guanche, was ist am 11. Juli auf Kuba tatsächlich passiert?

Julio César Guanche: Es gab Proteste in sechs der 15 Provinzen und an gut 60 Orten, die mehrere Tausend Menschen erfassten. Es zirkulieren zwar stark übertriebene Zahlen zu den Beteiligten, dennoch kam es zur größten Welle des sozialen Protests seit 1959. Es gab dann einen digitalen Apagón, der uns drei Tage ohne Internetzugang bescherte, sodass bis heute ein komplettes Bild fehlt, um erschöpfend zu wissen, was in jenen Tagen geschah.

Trifft zu, was vielfach kolportiert wird, dass es sich um die spontane Organisation eines spontanen Protests handelte?

Das Spontane bestand darin, dass es einen Kaskaden-Effekt gab, aber keine vorherige Agenda und keine Bewegung, die etwas organisiert hat. Natürlich gab es Aufrufe außerhalb Kubas, die vor allem zu Gewalt gegen Menschen anstachelten. Es sollten Polizeistationen angezündet und Menschen getötet werden, die sich als Revolutionäre zu erkennen gaben. Doch gibt es in Kuba eine enorme soziale Masse, die sich von solchen Aufrufen nicht beeinflussen lässt. Es ist ohnehin ein Fehler zu glauben, es gebe eine automatische Verbindung zwischen dem externen Einfluss und einem Volksaufstand. Wer das für möglich hält, ignoriert die interne Dynamik solcher Vorgänge, wie wir sie erlebt haben.

Fehlte es an Warnzeichen, dass es zu Problemen wie jetzt kommen würde?

Keineswegs, erst im November 2020 kam es zu einer friedlichen Sitzblockade von Intellektuellen vor dem Kulturministerium, die den Dialog mit der Regierung suchten. Doch........

© der Freitag


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