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Brasilien | Reparatur lohnt nicht mehr

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23.06.2021

In einen weißen Anzug mit Hemd und Krawatte gekleidet – wie ein ehrwürdiger Patron – steht der indigene Aktivist Ailton Krenak vor den Abgeordneten der Verfassungsgebenden Versammlung in Brasilia. Während er in seiner Rede eine Garantie für die Rechte der Indigenen einklagt, reibt er sich Gesicht und Hals mit einer schwarzen Farbe ein, die Brasiliens Ureinwohner für ihre traditionellen Körperbemalungen aus der Frucht des Jenipapo-Baums gewinnen. Dieser Auftritt im Jahr 1987 gilt bis heute als legendär und maßgeblich dafür, unverletzbare Grundrechte für die ursprüngliche Bevölkerung in der brasilianischen Verfassung von 1988 zu erwirken. Seinerzeit haben im Kongress Vertreter aus dem rechten und linken Lager gleichermaßen dafürgestimmt.

Über drei Jahrzehnte später gehört Ailton Krenak weiter zu den wichtigsten Stimmen der indigenen Bewegungen seines Landes. Er konzentriere sich nach wie vor „auf die Realität der indigenen Völker“. Mittlerweile habe man Allianzen mit anderen Waldgemeinschaften wie Bewohnern der Flussufer aufgebaut. Zudem sei bereits in den 1980er Jahren mit dem Umweltaktivisten Chico Mendes – er wurde Ende 1988 von Großagrariern ermordet – die „Allianz der Waldvölker“ gegründet worden. „Heute dehnt sich diese Verbindung mit den Quilombolas genannten Afrobrasilianern und breiten sozialen Bewegungen auf andere ethnische Beziehungen aus, besonders auf dem Land“, erzählt der aus dem Volk der Krenak stammende Aktivist.

Bisher ist es brasilianischen Regierungen nicht gelungen, die Diskriminierung indigener Völker und anderer sozialer Randgruppen einzudämmen. „Im Alltag leiden diese Gemeinschaften unter staatlichem Rassismus, der durch Vormundschaft und diskriminierende Behandlung beim Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung zum Ausdruck kommt“, so Ailton Krenak. Dabei wird das Jahr 2019 als alarmierender Höhepunkt struktureller Gewalt gegen Kleinbauern und die indigene Bevölkerung betrachtet, die sich vor allem gegen ihre Führer richtete. Auch wenn diese Konflikte in Brasilien nie gebannt waren, ist es offensichtlich, dass sie unter dem ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro seit dessen Amtsübernahme 2019 noch zugenommen haben. Für Krenak ein Grund mehr, aktiv zu bleiben. Gerade angesichts der Drohungen, die von der Regierung gegen Persönlichkeiten wie Sônia Guajajara, die Exekutivkoordinatorin des Verbandes der Indigenen Völker Brasiliens, und den Waldschützer Almir Surui laut........

© der Freitag


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