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Literatur | Hart wie Stahl

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23.05.2020

Es gibt Zeiten, da implodieren die Maßstäbe: Klimakatastrophen, Pandemien und weltweite Finanzkrisen sind Beispiele. Zeiten sind das, in denen global ausgreifende Thesen wohlfeil klingen, sich aber die wenigsten davon bewähren. Was also erwarten von einem Buch, das ebenso schlicht wie selbstbewusst Das Geld heißt und von einem an der TU Chemnitz lehrenden Altphilologen verfasst wurde? Eske Bockelmann, soviel gleich vorab, veröffentlichte vor sechzehn Jahren einen umfangreichen Essay darüber, wie die Einführung des Geldes selbst den Rhythmus der poetischen Rede steuerte, ja dem menschlichen Geist seine Form aufprägte (Der Takt des Geldes, Zu Klampen 2004). Man darf also davon ausgehen, dass hier ein Thema seinen Autor gesucht hat.

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Das Geld stellt sich dem Leser vor als Triptychon. Im ersten Teil, der die Welt vor dem Geld behandelt, sollen wir unsere historische Einbildungskraft dafür schulen, ohne die hilfreiche Abstraktion “Geld” auszukommen. Bockelmann führt, ausgehend von einer etwas vereinfachten Lektüre von Mauss’ Klassiker, den Gabentausch als Modell einer auf gegenseitiger Verpflichtung beruhenden Gesellschaft aus. Der Sinn des häufig rituell geregelten Austausches sei die Verbindung, zwischen Gebenden und Nehmenden, aber auch zwischen diesen und der Gemeinschaft, die sich in ihren Mitgliedern auslege. Bockelmann versucht hier den “archaischen Charakter der Gabe”, wie sie etwa in Homers Ilias verhandelt wird, mit dem Material “ferner Gegenwarten” zu parallelisieren. Das ist heikel, selbst wenn man zeitgenössische........

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