Wer den Völkerrechts-Bruch normal findet, leistet Beihilfe: Kritik an Herfried Münkler |
In einem Fernsehinterview erklärt Herfried Münkler dieser Tage beinahe beiläufig, der Bruch des Völkerrechts sei heute nichts Außergewöhnliches mehr. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs, so Münkler, bewege man sich in einem Feld, in dem „Regelbruch im Prinzip eine Prämienleistung ist“, die Regelbrecher seien die Gewinner, „weil es keinen Hüter des Regelsystems mehr gibt“. Der Moderator wirkt kurz irritiert, fragt nach den Konsequenzen. Münkler bleibt gelassen. So sei nun einmal die Realität der Weltpolitik.
Herfried Münkler gilt als einer der bekanntesten deutschen Politikwissenschaftler, ein Mann der großen Linien, der sich gern als nüchterner Beobachter globaler Machtverhältnisse präsentiert. In der aktuellen Debatte erklärt er den Bruch des Völkerrechts zur neuen Normalität und verkauft diese Diagnose als Realismus. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine nüchterne Analyse, sondern um eine intellektuelle Kapitulation vor der Macht, mit dem Effekt, dass nicht mehr........