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Interview | „Wer ist in der Mitte?“

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10.09.2021

Tobias Zielony ist ein einfühlsamer Beobachter seiner zumeist jüngeren Protagonist:innen und ihrer Lebenswirklichkeiten. So gelingt es ihm, sie einerseits als individuelle Charaktere zu portraitieren, sie zugleich aber auch in größere subkulturelle Zusammenhänge zu setzen – was dem Fotografen die Zuschreibung eines Chronisten der Jugendkulturen eingebracht hat. Mit seiner Mid-Career-Ausstellung The Fall im Folkwang-Museum in Essen blickt Tobias Zielony zurück auf die vergangenen 20 Jahre, positioniert die Arbeiten aber durch neue Fotografien und ein vernetztes Ausstellungs-Setting auch deutlich in der Gegenwart.

der Freitag: Herr Zielony, Sie sind 1973 in Wuppertal geboren, Ihre Arbeiten sind aber mittlerweile Dokumente Ihrer Reisen um die ganze Welt. Sie haben unter anderem in Kalifornien („Trona“, 2009), Kiew („Maskirovka“, 2017), Nagoya („Hansha“, 2019) und auf Malta („Hurd’s Bank“, 2020) fotografiert und gefilmt. Wie wichtig sind spezifische Orte für das, was Sie interessiert?

Tobias Zielony: Die Phänomene, die mich interessieren, gibt es an sehr vielen Orten in der Welt. Nicht dass sie austauschbar sind, aber etwas verbindet diese Orte. Diese damals in den Nullerjahren für mich neue Erfahrung prägte meine Arbeiten der ersten zehn Jahre – damit meine ich auf der einen Seite so Phänomene von Markenklamotten, Orientierung an Musikvideos und Filmen und auf der anderen Deindustrialisierung und die Frage der Arbeiter:innen-Klasse, die ihre Identität verliert oder verändern muss.

Was ist das überhaupt, was Sie an Begegnungen mit bestimmten Menschen dazu anregt, diese zu dokumentieren?

Das hat natürlich immer auch was mit der Frage zu tun, wen ich gut fotografieren könnte. Darüber hinaus gibt es so etwas wie eine telepathische Verbindung, die ich nicht so genau definieren kann. Das ergibt sich oft im Verlauf einer Arbeit, davon lebt auch meine Fotografie. Es sind auf jeden Fall nicht nur äußerliche Dinge. Natürlich interessiere ich mich aber auch für Mode und Klamotten und denke manchmal: „Wow, was für ein Outfit!........

© der Freitag


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