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Backlash | Außer Thesen nix gewesen

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21.10.2021

In Krisenzeiten beklagen Frauenbewegung und Frauenpolitik oft einen „Backlash“, eine verschärfte Benachteiligung des weiblichen Geschlechts. Nicht selten haben die Protagonistinnen mit dieser Diagnose recht, manchmal aber schießen sie über das Ziel hinaus. Auch während der Pandemie war dieses Phänomen zu beobachten: Obwohl Männer signifikant häufiger an Covid-19 verstarben, erklärten feministische Forscherinnen schon bald die Frauen zu den Verliererinnen der Virus-Krise. Die empirische Grundlage für solche von Klischees geprägten Behauptungen ist dünn.

Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), fand gleich im ersten Lockdown drastische Worte: Frauen und vor allem Mütter erlebten als Auswirkung der Corona-Maßnahmen eine „entsetzliche Retraditionalisierung“, sagte sie im Mai 2020 in der Talkshow von Anne Will. Die Aussage der Soziologin stützte sich zu diesem Zeitpunkt eher auf Spekulation als auf verlässliche Daten. Eine nicht repräsentative WZB-Umfrage hatte ergeben, dass Mütter nach den Schul- und Kita-Schließungen in geringerem Stundenumfang weiter Erwerbsarbeit leisteten als Väter, manche gaben ihre berufliche Tätigkeit sogar komplett auf. In vielen Familien übernahmen in der Tat meist weibliche Ersatzlehrerinnen den improvisierten Heimunterricht. Als die öffentlichen Bildungseinrichtungen dichtmachten und Kinder und Jugendliche weitgehend sich selbst überlassen wurden, sollte es die gute alte Kleinfamilie, und vor allem die Hausfrau, richten.

Eine Rolle rückwärts? Wurde die Emanzipation wirklich „um 30 Jahre zurückgedreht“, wie Allmendinger etwas vorschnell behauptet hatte? Auch Männer haben in der Pandemie ungewohnte Erfahrungen gemacht, vor allem wegen der stark zunehmenden Nutzung der Arbeitsform Homeoffice. Ein Projekt........

© der Freitag


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