Slavoj Žižek: Was ist schlimmer, Trump oder Maduro? Beide sind schlimmer |
Was ist das eigentlich für eine merkwürdige Situation: Venezuela ist jetzt de facto besetzt, während die gleiche Regierung wie zuvor die Geschäfte führt. US-Präsident Donald Trump kündigte am 3. Januar an, die USA würden Venezuela auf unbestimmte Zeit „regieren“:
„Wir werden das Land bis zu einem Zeitpunkt regieren, an dem ein sicherer, ordnungsgemäßer und vernünftiger Übergang möglich ist.“ Noch direkter sagte er, er „trage die Regierungsverantwortung für Venezuela“.
Kein Wunder, dass Trump die Forderung der pro-amerikanischen venezolanischen Opposition ignoriert, eine bedeutende Rolle in der neuen Lage zu spielen: Die USA wollen das Land außerhalb aller internationalen Rechtsansprüche „regieren“ (ist das eine Besetzung oder was…?).
Zudem ist von großer Bedeutung, dass sie es vorzuziehen scheinen, mit Nicolás Maduros Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zusammenzuarbeiten (vorausgesetzt, sie ist in der Lage, die Forderungen der USA durchzusetzen), als mit wichtigen Figuren der Opposition.
Was steckt hinter einem solch seltsamen Verhalten? Die Antwort ist einfach: Die USA interessieren sich nicht für Demokratie oder die Interessen des Volkswillens. Trump spricht davon, das Land auf unbestimmte Zeit zu regieren – was bedeutet, es lange genug zu regieren, um es komplett zu kolonialisieren, kontrollieren und von seinen Rohstoffen zu profitieren.
Die USA werden sich laut Trump „sehr stark“ an Venezuelas Ölindustrie beteiligen: „Wir haben die großartigsten Ölunternehmen der Welt, die größten, die großartigsten, und wir werden sehr stark daran beteiligt sein.“ Trump hat bereits versprochen, dass „wir“ (die USA) riesige Mengen Öl billig an Verbündete verkaufen werden. In einem weiteren verrückten Zufall der Gegensätze bedeutet die Rückgabe der Macht an das venezolanische Volk eine neue koloniale Enteignung seiner riesigen natürlichen Ressourcen.
1976 übernahm die Regierung vor Hugo Chávez in Venezuela die Kontrolle der Ölindustrie des Landes. Sie verstaatlichte Hunderte private Unternehmen und ausländischen Besitz, darunter Projekte des US-amerikanischen Ölgiganten ExxonMobil. 2007 übernahm Hugo Chávez, der Gründer des venezuelischen sozialistischen Staates, dann die Kontrolle über die letzten privat geführten Ölunternehmungen im Orinoco-Gürtel, wo sich die größten Ölvorkommen des Landes befinden.
Das Weiße Haus erklärte am Samstag, die Operation zur Festnahme Maduros und seiner Frau und deren Auslieferung aus dem Land sei teilweise dadurch gerechtfertigt, dass Venezuela US-Öl gestohlen habe. Trump sagte, die USA würden nach Maduros Sturz auf unbestimmte Zeit „das Land regieren“ und sich Venezuelas riesige Ölreserven aneignen, indem sie amerikanische Unternehmen dazu bewegen würden, Milliarden von Dollar in die am Boden liegende Industrie zu investieren. Laut Trump werden US-Truppen in Venezuela präsent sein, „soweit es Öl betrifft“. Was bedeutet das? Wie kann ein Land sein eigenes Öl stehlen?
Trump will, dass Venezuela den USA den verstaatlichten Besitz der US-amerikanischen Ölunternehmen zurückgibt, aber Venezuela unternahm den größten Teil der Verstaatlichung 1976, lange vor der Ära Chávez, also zu einer Zeit, in der es noch als ein „normales“ westliches demokratisches Land galt.
Venezuelas Vorgehen wurde damals als Teil des Prozesses betrachtet, dass Länder sich ihre eigenen Rohstoffe aneigneten.........