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Interview | „Wer zahlt wohl die Party?“

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18.06.2021

Eine Woche nach den Grünen trifft sich an diesem Wochenende die Linke zum Online-Parteitag. Sie will ihr Wahlprogramm beschließen. Zuletzt machte sie eher durch schlechte Wahlresultate und Umfragewerte sowie einen Antrag auf Parteiausschluss Sahra Wagenknechts auf sich aufmerksam.

der Freitag: Frau Wissler, sollte Sahra Wagenknecht aus Ihrer Partei ausgeschlossen werden?

Janine Wissler: Nein.

Es gibt aber Genossen in NRW, die das wollen. Andere meinen: „Ohne Sahra ganz vorne landen wir unter fünf Prozent.“

Wegen politischer Differenzen einen Parteiausschluss zu beantragen, das halte ich grundsätzlich für falsch.

Haben Sie Wagenknechts Buch, um das es geht, gelesen?

Nicht alles, aber die wesentlichen Aussagen kenne ich.

Es geht um Akademiker und Aufsteiger, die sich zunehmend nach unten abschotten und die sich radikalen Klimaschutz, wie ihn auch die Linke fordert, meist leisten können.

Moment. Wir wollen die Kosten für den Klimaschutz ja gerade nicht auf Menschen abwälzen, die ohnehin wenig haben, und nicht alles über den Preis steuern. Die CO₂-Bepreisung zielt auf Verhaltensänderung, aber es gibt viele Menschen, die überhaupt keine Möglichkeit dazu haben. Eine Pflegekraft, die im ländlichen Raum lebt, weil sie sich in der Stadt die hohen Mieten nicht leisten kann, wird weiter morgens ins Auto steigen und zur Arbeit fahren, solange es keinen Bus und keine Bahn gibt. Ob der Benzinpreis nun um 10, 16, 20 oder 30 Cent steigt. Die, die am wenigsten verdienen, haben den geringsten CO₂-Fußabdruck. Es kann nicht sein, dass Leute für eine Party zahlen, auf der sie gar nicht waren.

Die Linke will keinen CO2-Preis, die Linke will „Energiekonzerne entmachten“.

Für die Linke gehören soziale........

© der Freitag


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