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Interview | „Sicherheit, Wohlstand, Blabla“

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14.07.2021

Wer dem Pessimismus anheimfällt, kann zur Aufmunterung sein Buch Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen (2019) zur Hand nehmen. Harald Welzer blickt aber auch der Dystopie ins Auge: Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit (2017). Was die Bundestagswahl im Herbst angeht, neigt sein Pendel wohl gerade eher zum Skeptischen.

der Freitag: Herr Welzer, haben Sie denn schon einen digitalen Impfnachweis?

Harald Welzer: Nein.

Könnten Sie aber haben. Ist es nicht irre, wie schnell in dieser Corona-Krise Dinge real wurden, die man eben noch allenfalls für ferne Zukunft hielt? Einige dachten ja, das würde jetzt auch mit entschlossener Klimapolitik so.

Ich habe diese Blütenträume der ökologisch Engagierten nie geteilt – weil sich an den Interessen- und Machtlagen einer Gesellschaft ja wenig ändert, wenn es so eine Krise gibt. Warum sollten sich die Autoindustrie und andere Lobbys neu aufstellen, weil es ein Virus gibt?

Es gab keine Abwrackprämie im Corona-Konjunkturpaket!

Ja, das ist so ungefähr das einzige Revolutionäre. Wir werden sehen, dass diese Verhaltensänderungen, etwa mehr Fahrrad zu fahren, bei einigen Bevölkerungsgruppen nachhaltig sind, im Großen und Ganzen aber nicht viel verändern werden. Große Umorientierung in Sachen Gesellschafts- und Klimapolitik ist fern, Sie brauchen ja nur anschauen, in welch unfassbarer Art und Weise jetzt im Wahlkampf auf die Grünen eingeschlagen wird, wie da Verbotsfantasien kommuniziert werden, weil Notwendigkeiten mittlerweile sehr deutlich geworden sind.

Wäre das mit einem Kanzlerkandidaten Söder für die Union anders gelaufen? Nehmen Sie dem ab, dass er Nachhaltigkeit und Wohlstand versöhnen möchte?

Durchaus. Wohl nicht aus innerer Überzeugung heraus, aber weil er Modernisierungsnotwendigkeiten sieht und auf diese einsteigen möchte. Ganz im Unterschied zu Herrn Laschet, der ja nun in den 1960ern stehengeblieben ist, also praktisch in seinem Geburtsjahr.

Laschet kommt eben aus einem Bundesland, das die Herausforderungen einer Transformation gut kennt, und moderiert zwischen denen, die sich........

© der Freitag


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