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Tunesien | Die Gefahr lauert anderswo

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14.08.2021

Am 26. Juli, einen Tag nachdem Präsident Kaïs Saïed wegen einer ausufernden Corona-Krise die Exekutivgewalt an sich gezogen hat, versucht Rached al-Ghannouchi, Vorsitzender der islamistischen Ennahda-Partei und Parlamentspräsident, das Gelände des Regierungssitzes zu betreten. Als er von Soldaten daran gehindert wird, sagt er: „Das tunesische Volk wird den Rückfall in die Tyrannei nicht akzeptieren. Wenn die Freiheit bedroht ist, hat das Leben keinen Wert.“ Ghannouchis seit über 40 Jahren stets von Neuem verkündete Botschaft gilt dem Aufbau einer islamischen Gesellschaft auf demokratischem Wege. Freilich hat seine Partei nach ihrer Legalisierung in der Zeit des Arabischen Frühlings Anfang 2011 heftige Verluste in der Wählergunst hinnehmen müssen. Während sie vor zehn Jahren 89 Sitze erobert hat, waren es 2014 nur noch 69. Mittlerweile ist die Zahl auf 52 geschrumpft, nicht einmal mehr ein Viertel der 217 Mandate in der Abgeordnetenkammer, weshalb Ennahda Koalitionen braucht, um zu regieren.

Wie sehr die Ennahda-Partei im Krisenmodus steckt, offenbarte die von leidenschaftlichen Debatten geprägte Sitzung des Schura-Rates am 4. August, als jüngere Mitglieder Rached al-Ghannouchi den Rücktritt nahelegten. Da dieser Ennahda jedoch seit 40........

© der Freitag


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