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A–Z | Pegasus

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26.09.2021

Airline Den Menschen überfällt immer wieder eine Hybris des Unsterblichkeitsgefühls. Beim planmäßigen Pegasus-Airlines-Flug 2193 von Izmir nach Istanbul führte das in eine eigentlich vermeidbare Katastrophe: den „runway overshoot“. Bei schlechtem Wetter wurde trotz zu starken Windes viel zu spät auf der regennassen Landebahn aufgesetzt. Das Flugzeug zerbarst. Drei Tote, 19 Schwerverletzte. Schon seit die Lufthansa 1993 in Warschau Ähnliches erlebte, müsste jedem Piloten klar sein, dass Durchstarten die einzige Option ist. Doch der Mensch ist kein rationales Wesen und der Kopf voller „biases“, sprich kognitiver Verzerrungen. So ist das Festhalten an der Landung trotz veränderter Situation ein klassischer sogenannter „belief perseverance“, neue Erkenntnisse werden ausgeblendet, es wird an der ersten These festgehalten – bis ins kollektive Verderben. Jan C. Behmann

Dichterross Es kann feurig schnauben oder ist nichts als ein Vehikel für triviale Kaffeetischpoeten. Die Quälerei mit dem widerspenstigen Fabeltier hat Peter Rühmkorf (1929 – 2008) in seinem Tagebuch TABU I fast beschwörend beschrieben: „Dass ich pro Gedichtseite etwa 100 bis 170 DIN-A4 Seiten Vorlauf veranschlagen muss, habe ich schon öfter erwähnt, es hat mir nicht unbedingt Lob eingetragen.“ Nur so gelänge ihm der immer neue Kampf um den „Trugschluss“ des Gedichts, wie er es sowohl passioniert als auch desillusioniert nennt. Noch eine Maxime hat er verkündet: „In einem guten Gedicht darf man zwischen Himmelsplankton und Erdenstoff nicht mehr unterscheiden können.“ Ein Parforceritt über hohe Hürden. Manche dichtenden Zeitgenossen allerdings hat er im Verdacht, die Mühen zu scheuen. Viele hält er eher für hochtrabend als beflügelt. In seinem Buch Funken fliegen zwischen Hut und Schuh hat er manch lästernde Worte für sie. Kollegenschelte als Heu fürs eigene Pferdchen? Magda Geisler

Flügel „Des Menschen Flügel ist das Pferd“, lautet ein Sprichwort aus Kirgistan. Die Hirten dort sind ja auf ihre Reittiere angewiesen, verbringen die meiste Zeit im Sattel, allein mit ihrer Herde inmitten der Berge und Steppen. Welche Bindung da zwischen Mensch und Tier entsteht, in seinem Roman Abschied von Gülsary hat es der Kirgise Tschingis Aitmatow beschrieben. Wie die Griechen ihren Pegasus hatten auch die Turkvölker Mittelasiens ihr geflügeltes Pferd.Tulpar kam der Legende nach vom Himmel, machte seine Flügel unsichtbar und paarte sich mit den Stuten. Besonders edle Rösser zählte man dann zu Tulpars Geschlecht. Wir Menschen, gebunden an die Erde, tragen doch den Traum vom Fliegen in uns ( Kinderträume), der nicht nur etwas Technisches meint.

Emporgetragen zu werden auf den........

© der Freitag


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