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Video | Im Blick zurück

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15.09.2021

Das Gebäude, das weit zurückgesetzt von der Clayallee steht, war schon immer eine Kulisse. Im schlummernden Südwesten Berlins, hinter den Jugendstilvillen von Dahlem, wo Jachten auf Anhängern die breiten Alleen säumen, war das streng achsensymmetrische, 1938 fertiggestellte Ensemble von den Nazis als Kommandozentrale der Luftwaffe geplant. Nur verbot der Versailler Vertrag Deutschland jede militärische Luftfahrt. Niemand durfte wissen, dass in den Riesenbauten der nächste Angriffskrieg geplant wurde.

Nach 1945 zogen dann die US-Amerikaner ein. Teile der Anlage beherbergen heute noch Räume der US-Botschaft. Die Seitenflügel wurden von einem Immobilienentwickler in Wohnungen verwandelt, die jetzt mit US-Ostküsten-affiner Typografie – Schriftart: NY Irvin, die vom Magazin The New Yorker berühmt gemacht wurde – als Metropolitan Gardens vermarktet werden. Außerdem wird der Ort schon seit den 90ern für Filmaufnahmen genutzt. Im Hauptgebäude zwischen den mächtigen Flügeln wurden Filme wie Inglourious Basterds und Operation Valkyrie gedreht. Das Foyer ist mit beinahe schwarzem Sandstein ausgekleidet. Besucher*innen werden durch den dunklen Eingangsbereich zu einem rückwärtigen Riesenfenster geleitet, wo dann eine zweiläufige Treppe in den großen Saal führt. Der Raum selbst gibt vor, wie man zu gehen hat. Beim Umbau wurde die Deckenkonstruktion freigelegt, zusätzliche Fenster wurden in die seitlichen Wände gesetzt. Entlarven wollte man die Verkleidungen, man könnte auch sagen: Das Innendesign der Nazis sollte entzaubert werden.

Damit ist erst einmal noch gar nichts über die heutige Nutzung gesagt, denn fortan, also seit 2019, beherbergt das Hauptgebäude des Areals die Ausstellungsräume von Fluentum. Das ist die Plattform des Berliner Softwareunternehmers Markus Hannebauer, der seit elf Jahren Kunst sammelt. Er engagierte eine Programmleiterin, Gastkurator*innen werden eingeladen, Fluentum fördert auch die Produktion neuer Werke.

Der Raum gesellt sich damit zu jener Art von Kunsthäusern, die in Berlin in alten Bunkern oder........

© der Freitag


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