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Todestag | Alles voller Götter

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20.09.2021

Als die Verlegerin Katerina Karydi diesen Satz sagt, ist Mikis Theodorakis noch am Leben, es ist der letzte Tag im August: „Theodorakis schob die Lyrik unserer bedeutendsten Dichter mit seinen Liedern in die Münder aller Griechen.“ Auch die des ersten Literaturnobelpreisträgers Griechenlands, Giorgos Seferis, der ihn 1963 gewann, indem er sich – wie wir heute wissen – gegen Nabokov, Beckett und Neruda durchsetzen konnte. Vor 50 Jahren, am 20. September 1971, starb Seferis dann während der Militärdiktatur, ziemlich zurückgezogen lebend.

Katerina Karydis Athener Verlag Ikaros ist klein, aber renommiert. Die Bücher, die dort herausgegeben werden, sehen allesamt sehr edel aus, äußerlich ähneln sie denen des berühmten französischen Verlagshauses Gallimard. Karydi gibt auch die anderen Großen des Landes heraus, etwa Konstantinos Kavafis oder den zweiten griechischen Nobelpreisträger, Odysseas Elytis. Zurzeit wird Seferis’ Gesamtwerk durch Briefe und sein Frühwerk komplementiert. Wir erwischen Karydi im alten Verlagssitz in der Voulis-Straße mit angeschlossener Buchhandlung, den ihr Vater 1943 – also noch während der deutschen Besatzung in Griechenland – gegründet hatte.

Der erste Stock über der Verkaufsfläche besteht nur aus einem Zimmerchen mit einem schweren und dunklen Schreibtisch, vor dem auch schon Seferis stand, als er mit Karydis Vater akribisch die Umschläge seiner Bücher besprach. Sogar die Schwere des Papiers war für ihn ein wichtiges Thema. Der Nobelpreis, den er dann eines Tages gewinnen sollte, sei für ihn hingegen nur ein „Zufall“ gewesen, etwas, das man schnell wieder vergessen darf.

Der eigentliche Verlagssitz von Ikaros, dort, wo die ganzen Büros untergebracht sind, liegt am anderen Ende der sich langsam belebenden Straße, aber die meisten Athener sind in diesen Tagen noch immer auf einer der nahen Inseln. Dort machen sie vielleicht gerade die bittere Erfahrung, die einem den schönsten Sommertag ruinieren kann und die Seferis in einem seiner Gedichte so beschrieben hat: „von links weht der Südwind und macht uns irr / dieser Wind, der uns das Fleisch........

© der Freitag


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