Nick Fuentes und die Groyper: Droht in den USA eine digitale SA?

Die Konflikte in der rechten MAGA-Bewegung eskalieren weiter – auf allen Ebenen. Der Fernsehmoderator Tucker Carlson nennt es einen „Bürgerkrieg der Rechten“, der rechte Stratege Matt Walsh spricht von einer Fragmentierung. Aus dieser Konfusion treten neue Influencer auf den Plan, die man sich genauer anschauen sollte, da sie selbst innerhalb der US-Rechten für einen radikalen Rechtsruck stehen. Einer der wichtigsten Figuren: Nick Fuentes, gleichermaßen Antreiber wie auch Zerfallsprodukt der MAGA-Bewegung.

Fuentes ist ein Gen-Z-Neonazi ohne Versteckspiele, er ist die fleischgewordene Zerstörungslust der Rechtsradikalen, der alles auf die Spitze treibt und sagbar macht, was ältere Rechte sich noch nicht offen zu sagen trauen. Eliminatorischer Antisemitismus, extremer Hass auf Frauen und ein unverhohlener Rassismus gegen Schwarze sind keine leeren Schlagworte, sondern feste Anker in seiner Weltanschauung. „Die Gesellschaft wird von Juden dominiert, Frauen müssen die Fresse halten, und Schwarze müssen in den Knast – die allermeisten zumindest“ ist eines seiner Zitate, die er selbst gerne wiederholt und die tausendfach im Netz herumgehen.

„Es sind nicht die Zionisten, es sind die Juden!“, lautet seine Antwort auf den öffentlichen Ekel über die Grausamkeiten der israelischen Armee beim Genozid in Gaza. Ein Typ mit solchen Aussagen ist derzeit ein Hit auf allen sozialen Medien in den USA und darüber hinaus. Seinem letzten Stream auf Rumble folgten live über eine Million Menschen. Dieser Mann ist gefährlich. Was macht ihn für so viele Menschen dermaßen attraktiv?

Wer sich in den sozialen Medien für den Gaza-Krieg, für Kritik an der israelischen Regierung und für US-Politik interessiert, kommt schnell in Kontakt mit Videos von Nick Fuentes. Dabei wirkt er in seinen kleineren Videos erst einmal recht sympathisch. Das liegt wohl am Algorithmus: Weiß er, dass der User ein Linker ist, zeigt er zunächst jene Videos von Fuentes an, die passen könnten. Etwa Clips, in denen er sagt, jeder Mensch müsse dagegen sein, was in Gaza geschieht. Wer kann das verneinen?

Dann bedankt sich Fuentes bei den Linken und bei den Schwarzen, die ihn gerade – seiner Aussage nach – mehr teilen würden als die Rechten. Und dann ruft er dazu auf: MAGA und die Linke müssten sich verbinden gegen das Establishment, „wir“ hätten sonst keine Chance. Die Linken sollten das mit der offenen Grenze und Migration einfach sein lassen, die Rechten die Idee der freien Märkte aufgeben.

Wer sich diese Videos anschaut, dem werden bald weitere Fuentes-Clips angezeigt. Etwa der, in dem Fuentes ausführt, dass die Oligarchie aus Juden bestehe: „It’s not the Zionists, it’s the Jews“ ist der zentraler Satz, mit dem er die Politik der israelischen Regierung kritisiert. Wie ist der Antisemit Fuentes so groß geworden?

Fuentes ist 27 Jahre alt, ist politisch aktiv, seit er 17 ist, und war beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021........

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