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Ethik | Keine Lifestyle-Medizin

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21.07.2021

Diesen Monat will der Gemeinsame Bundesausschuss die Versicherteninformation zum nichtinvasiven Pränataltest auf Trisomien beschließen. Dies ist der letzte Verfahrensschritt, um den „Bluttest“ in begründeten Ausnahmefällen zur Kassenleistung zu erheben. Für die Kassenfinanzierung hatte sich der Gemeinsame Bundesausschuss – das höchste Beschlussgremium im deutschen Gesundheitswesen – vor zwei Jahren entschieden. Bei dem Testverfahren wird das Blut von Schwangeren auf einige Trisomien des Kindes untersucht: ob bestimmte Chromosomen nicht doppelt, sondern dreifach vorkommen. Am bekanntesten ist die Trisomie 21, die zum „Down-Syndrom“ führt. Im Verhältnis zu invasiven Tests – etwa der Fruchtwasseruntersuchung – erzielen die nichtinvasiven Bluttests zwar weniger zuverlässige Ergebnisse, dafür sind sie aber nicht mit deren Risiko behaftet, eine Fehlgeburt auszulösen. Die Bluttests werden deswegen genutzt, um „Risikoembryonen“ aufzusuchen und die invasiven Tests erst im Verdachtsfall anzuwenden.

An der Einstufung der Bluttests als Kassenleistung hat sich eine emotional geführte Debatte entzündet, die gerade wieder an Fahrt aufnimmt. Da die Behinderungen und Krankheiten, die mit den Bluttests diagnostiziert werden können, gegenwärtig nicht therapierbar sind, ist die Praxis von Diagnose und Abbruch der Schwangerschaft bei auffälligem Befund ins Zentrum der Debatten gerückt. Dabei handelt es sich bei den Abbrüchen genauer um Schwangerschaftsspätabbrüche, da die aussagekräftigen invasiven Tests erst nach der zwölften Schwangerschaftswoche vorgenommen werden können. Kritiker_innen lehnen die Kassenzulassung der Bluttests ab, da sie Praktiken der vorgeburtlichen Selektion den Weg ebne: dem systematischen Aufsuchen von Embryonen mit erblichen Krankheiten oder Behinderungen, um die Schwangerschaft bei entsprechendem Befund abzubrechen. Befürworter_innen der Kassenzulassung sehen in den Bluttests dagegen ein risikoarmes Verfahren vorgeburtlicher Diagnostik, das Frauen mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten nicht verschlossen werden dürfe. Die Debatte verwirrt, da die Anliegen beider Parteien berechtigt sind: sowohl die Verhinderung von vorgeburtlicher Selektion als auch die bestmögliche medizinische Versorgung aller Schwangeren.

Einen Weg, um bei der Nutzung von vorgeburtlicher Diagnostik mit der Option eines........

© der Freitag


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