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Energie | Im Osten geht die Sonne auf

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08.04.2021

Auf dem Schild an der A9 kurz vor der Abfahrt Bitterfeld steht immer noch „Solar Valley“: Vor zehn Jahren glaubten sie hier, das Sonnenenergie-Pendant zum kalifornischen „Silicon Valley“ werden zu können. Die Hälfte aller Solarzellen auf der Welt wurde damals in Deutschland produziert, der Standort in Sachsen-Anhalt war der zweitgrößte Europas – nach dem in Frankfurt (Oder) mit dort 5.000 Beschäftigten. Aber dann kürzten Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gemeinsam die Solartarife so stark, dass die gesamte Branche zusammenbrach.

Von der einst blühenden Solarwirtschaft in Deutschland ist heute nicht mehr viel übrig. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche sank von 150.000 im Jahr 2011 auf weniger als ein Drittel. Von den 350 Solarzellenproduzenten, die es vor zehn Jahren in Deutschland gab, sind kaum noch ein paar Dutzend übrig.

Doch jetzt keimt neue Hoffnung auf. „Solarenergie neu denken“ – so lautet der Werbespruch der Meyer Burger Technology AG. Einst war der Schweizer Konzern darauf spezialisiert, Maschinen für die Produktion von Solarzellen zu bauen. Weil es in Europa aber kaum noch Modulfertigungen gibt, entschied das Management im vergangenen Jahr, selbst in die Herstellung von Sonnenkraftwerken einzusteigen. Dafür kauften die Schweizer die Reste insolventer deutscher Hersteller auf. Im Mai sollen zwei Werke mit der Produktion beginnen, eines in Freiberg (Sachsen), wo einst der damalige Vorreiter Solarworld mehr als tausend Menschen beschäftigte, das andere in Thalheim (Sachsen-Anhalt), wo bis 2011 rund um den Marktführer Q-Cells 3.500 Jobs entstanden waren. Aktuell stellt Meyer Burger Arbeitskräfte ein, die – wie es Manager Moritz Borgmann ausdrückt – „an der Renaissance der europäischen Solarindustrie mitwirken wollen.“

Tatsächlich gingen im großen Niedergang der deutschen Solarindustrie ja nicht nur Arbeitsplätze und Marktführerschaft verloren. Deutsche........

© der Freitag


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