We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Porträt | Die mit der roten Linie

5 6 1
24.09.2021

Franziska Giffey steht auf einem Sportplatz im Berliner Westen und zwinkert fröhlich in die Runde. Eine Woche fehlt noch bis zur Abgeordnetenhauswahl, die sie ins Rote Rathaus bringen soll. Rot ist auch das Trikot des hier trainierenden 1. FC Wilmersdorf, das sich die SPD-Spitzenkandidatin kurzerhand über ihr Kleid gezogen hat. Giffey schnappt sich das Mikrofon. „Isset nich’ ’ne tolle Truppe?“, ruft sie strahlend. „Gaaaanz toll!“

Die „tolle Truppe“, das sind die versammelt hinter der 43-Jährigen stehenden Berliner SPD-Kandidaten mit sogenanntem Migrationshintergrund. Für Giffey ist es eine gute Gelegenheit, sich als Förderin von Berliner Vielfalt zu inszenieren. Als die Lautsprecheranlage ausfällt, redet sie ohne Mikro weiter – die vielzitierte Kehlkopfschwäche, die eine Laufbahn als Lehrerin verhinderte, ist ihr jetzt nicht anzumerken. Giffeys Botschaft: Hier steht eine, die auf dem Boden geblieben ist. Die das echte Leben kennt, keine Intellektuelle ist. Darauf baut der ganze Wahlkampf der Berliner SPD auf. Sie scheint so weit zu kommen.

Zur Marke gehört die überschwängliches Lob verteilende Giffey ebenso wie die autoritäre Giffey. An deren Kompromisslosigkeit wurde die eigene Partei erst kürzlich wieder erinnert, als die Berliner SPD-Covorsitzende – 2020 mit Raed Saleh als Doppelspitze gewählt – die Reform der Bauordnung zur Begrünung von Hausfassaden verhinderte. An der hatte der Senat zwei Jahre lang........

© der Freitag


Get it on Google Play