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Linkspartei | Das Ende der Besatzung

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24.08.2021

Wenn am Mittwoch im Bundestag über das Bundeswehrmandat zur Absicherung der Evakuierung von Ortskräften in Afghanistan abgestimmt wird, steht die Linkspartei vor keiner einfachen Aufgabe. Als eine Stimme der Friedensbewegung hat sie bislang gegen jeden Bundeswehreinsatz gestimmt. Doch die Situation in Afghanistan ist katastrophal, für viele Menschen ist die Sicherheitslage brandgefährlich geworden. Wie wenigstens einige Menschen zu retten sind, ist keine Frage, die sich nur diejenigen zu stellen haben, die diesen NATO-Einsatz zu verantworten haben – diese Aufgabe steht in der Verantwortung aller, also auch und insbesondere der Linken. Denn eins steht fest: weder das Gegenargument von der Verletzung der Souveränität eines unabhängigen Staates noch der Vorwurf der Durchsetzung von imperialen Interessen gehen bei der Frage der Evakuierung auf. Es geht gerade also nicht um das Prinzip, ich will nicht sagen: um das Reiten darauf.

Doch die innerlinken Stimmen nach dem Siegeszug der Taliban sind divers, es tobt ein Kampf um die Deutungshoheit über die politische Lage. In den social media-Timelines von einigen anti-imperialistischen Linken liest sich dabei teils eine unerträgliche Romantisierung der Taliban als antiimperiale Kraft. Diese Einschätzung zeugt von Ahnungslosigkeit der regionalen machtpolitischen Auseinandersetzungen und ihrer kolonialen Wurzeln.

Es gibt Linke, die jedwede Auflehnung gegen imperialistische Politiken von EU oder USA begrüßen und dabei auch Staaten wir den Iran als positiven Bezugspunkt heranziehen – das Denken ist hier stark geopolitisch dominiert, begleitet von einem teils schwer auszuhaltenden romantisierenden Bild von fundamental-religiösen Gruppen wie den Taliban. Das linke Magazin marx21 veröffentlichte vor ein paar Tagen einen Beitrag, der beispielhaft für diese unheilvolle Sympathie ist.

In dem Text, der mit dem Titel „Rückkehr der Taliban: Das Ende der Besatzung“ überschrieben ist, preisen die beiden Autor*innen Nancy Lindisfarne and Jonathan Neale mitunter das Justizsystem der Taliban. Es sei notwendig, dass die Taliban dieses gerechte und vor Ungleichheit schützende Justizsystem fortführen würden: „Ihre bisherige Bilanz ist vorteilhaft“.

Dieser Bewertung der Autor*innen liegt zwar die zutreffende Tatsache zugrunde, dass nicht zuletzt auch das von den NATO-Mächten installierte Justizsystem höchst korrupt war.........

© der Freitag


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