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Religion | Karl Marx und die Bibel: Ist Arbeit besser als Geld?

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07.06.2022

Karl Marx steht in der Tradition der jüdischen Propheten. Das behauptet Kuno Füssel, der in Deutschland wichtigste Vertreter der Theologie der Befreiung, und kann es auch plausibel machen. Schon die Äußerlichkeiten sprechen dafür: Beide Eltern von Marx stammen aus rabbinischen Familien; die Fülle von Bibelzitaten in seinem Werk ist unglaublich; und er tritt auch auf wie ein neuer Jesaja: scharfzüngig, unversöhnlich, die Apokalypse beschwörend (das Ende des Kapitalismus, ja der „Vorgeschichte“ der Menschheit). Füssel zeigt, dass Marx die Bibel nicht zitiert, um sie abzutun, sondern um sich von ihr helfen zu lassen. Seine Religionskritik gilt nicht der Bibel, sondern der Kirche und der kirchlichen Theologie.

Der Mensch, so Marx, sei das höchste Wesen für den Menschen. Alle Verhältnisse gelte es umzustürzen, in denen der Mensch ein erniedrigtes Wesen sei. Widerspricht das der Bibel? Nein, im Gegenteil: Gott hat sich kreuzigen lassen, was eine gängige Sklavenbestrafung war. Der Sinn dieser Explikation Gottes war sicher nicht, dass das Wesen Gottes oder des Menschen als sklavisch bestimmt werden sollte. Vielmehr, wie Füssel herausarbeitet, dass es keine Sklaven, keinen Unterschied des Hohen und Niedrigen mehr geben soll. Dazu braucht es einen Weg, eine Geschichte, und es werden zwei Angelpunkte in der Bibel hervorgehoben: der „Exodus“ der Hebräer aus dem pharaonischen Ägypten und Jesu Parteinahme für die Erniedrigten.

Mit dem Ausdruck „Gott“, so Füssel, ist eine........

© der Freitag


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