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Kosmos | Marsch zum Mars

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19.06.2021

Eine chinesische Sonde ist auf dem Mars gelandet und führt ihre Forschungsarbeiten aus, prüft die Zusammensetzung des Bodens, die geologische Struktur, das Klima. Ist das etwas Besonderes? Durchaus. Es haben dort zwar schon viele Sonden geforscht, aber sie kamen alle aus den USA. Auch die Sowjetunion hatte einige Sonden geschickt, aber keine hat die Landung unbeschadet überstanden. China hingegen, dessen Marsprogramm erst 2016 startete, ist es gleich beim ersten Versuch gelungen. Zudem genau nach Plan: 2020 sollte die Marsrakete abheben, und so geschah es. Am 14. Mai 2021 landete „Tianwen-1“ auf dem Nachbarplaneten, wo sie nun drei Monate lang Informationen sammelt.

Hat China auf dem Weg, die USA zu überholen, einen weiteren entscheidenden Schritt getan?

Wie auch in Indien war die chinesische Raumfahrt von der Sowjetunion in die Spur gesetzt worden. Während der postsowjetischen Zeit hat die Zusammenarbeit mit Russland eine große Rolle gespielt. Als Gegenleistung für die chinesische Zusage, künftig keine Raketen mehr an Pakistan zu verkaufen, hoben die USA 1994 ihr Exportverbot für Satellitentechnik nach China auf. Die Beteiligung chinesischer Kosmonauten an der „international“ genannten Raumstation ISS, die um die Erde kreist, ließen sie allerdings nicht zu. China hat deshalb eigene Raumlabors gebaut und betrieben. Als erstes Labor kreiste „Tiangong-1“ zwischen 2011 und 2018 um die Erde und war in den ersten beiden Jahren bemannt. „Tiangong-2“ war zwischen 2016 und 2019 in Betrieb, die Bemannung noch im Startjahr war die bis dahin längste. Jetzt, vor anderthalb Monaten, wurde mit dem Bau einer permanenten Station begonnen, im nächsten Jahr soll sie betriebsbereit sein.

Die Entwicklung der chinesischen Raumfahrt hatte anfangs vor allem militärische Zwecke, wie das auch in der Sowjetunion der Fall war. Im Oktober 1956 wurde dafür ein Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums gegründet, die erste Kurzstreckenrakete startete Ende 1960 – im Jahr des politischen Bruchs mit dem sowjetischen „Revisionismus“ –, die erste Mittelstreckenrakete folgte 1964. Die erste eigentliche Weltraumrakete, eine dreistufige Trägerrakete mit dem Revolutionsnamen „Langer Marsch 1“, hielt sich 1969 etwa eine Minute in der Höhe. Der erste Satellit startete 1970, 1975 konnte erstmals eine Nutzlast zur Erde zurückgebracht werden. 2003 begann die Zusammenarbeit mit der EU........

© der Freitag


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