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Arbeitsmarkt | Nicht mehr erpressbar

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31.08.2021

Grundlage allen Wirtschaftens ist die Arbeit. Es lohnt, sich das Einfache in Erinnerung zu rufen, bevor wir das Komplexe, Globale in den Blick nehmen. So funktioniert das Gesellschaftssystem, in dem wir leben: Es beruht auf Arbeit. Das gilt für alle gesellschaftlichen Bereiche und damit auch für die Unternehmen. Ohne die Arbeit der abhängig Beschäftigten gibt es für Unternehmen keine Gewinne.

Im marktwirtschaftlich-kapitalistischen System sind Renditen und Gewinne aber offenbar Teil einer Art Gesellschaftsvertrag. Wenn die Löhne steigen, schrumpfen die Renditen: Doch hier kennt das System keinen Humor. Dann wird umstrukturiert, es werden hektisch Produktionsprozesse ausgelagert, internationale Lieferketten etabliert, globale Unternehmenszusammenschlüsse geplant, Nullrunden bei den Löhnen gefordert, Löhne und Gehälter gesenkt, Menschen entlassen und dergleichen mehr. Seit den 1970ern nennen wir dies: „Globalisierung“.

Einer der Treiber der wirtschaftlichen Globalisierung war das Ausnutzen des Lohngefälles zwischen verschiedenen Ländern: Outsourcing wurde global betrieben. Massenarbeitslosigkeit und Prekarisierung – auch in Deutschland – waren die Folge. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit brachte Existenzängste in den Alltag der sozialen Marktwirtschaft. Lohnverhandlungen wurden oft zu Beschäftigungssicherungsgesprächen. Keine gute Zeit für abhängig Beschäftigte.

Jetzt aber gerät die Globalisierung als Erpressung mit der Produktionsverlagerung unter Druck. Coronabedingte Lieferengpässe, Reisebeschränkungen und Quarantäneregelungen wirken drosselnd. Aber nicht nur. Auf einmal werden auch die verborgenen Kosten der unregulierten Globalisierung sichtbar: Globale Arbeitsteilung und globale Lieferketten schlagen auf........

© der Freitag


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