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Januar 2021: Der Sturm auf das Kapitol erschüttert das US-System

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07.01.2026

Der oft als „Insurrektion eines Mobs“ beschriebene Vorgang ist die wohl am besten dokumentierte politische Konfrontation der US-Geschichte: Es gibt viele Stunden Video- und Handyaufnahmen, dazu den mehr als 800 Seiten langen Bericht eines Kongressausschusses, nicht zu reden von den vielen Anhörungen im Kongress, die anberaumt waren.

Am 6. Januar 2021 wollen Tausende von Trump-Loyalisten, aufgebrachte Männer und Frauen, verhindern, dass die US-Legislative in Washington das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom 3. November 2020, sprich: den Sieg des Demokraten Joe Biden über Donald Trump, offiziell bestätigt. Fernsehkanäle übertragen den Aufstand live. Anhänger Trumps glauben dessen Mutmaßungen über eine „gestohlene Wahl“, sie durchbrechen Absperrbarrieren, zerschlagen Fenster und dringen in das historische Gebäude ein, das normalerweise Schulklassen mit ehrfürchtigen Gesichtern oder Lobbyisten auf der Suche nach Einfluss aufsuchen.

Die vornehmlich weißen Männer sind ausgerüstet mit Fahnenstangen und Hämmern, voller Wut und Hass. Polizisten erweisen sich als überfordert. Die Belagerung dauert an jenem Tag bis zum späten Nachmittag. Dann kommt die Nationalgarde und vertreibt die Aufrührer, die offenkundig über soziale Medien gut vernetzt sind.

Viel fotografiert wurde der obskure „Schamane“ mit Hörnern und Speer, dabei repräsentierte der Aufruhr nicht etwa den gesellschaftlichen Rand, ermittelte der Extremismus-Experte Robert Pape von der Universität Chicago, der sich auf mehr als 700 der im Jahr nach dem Ereignis Festgenommenen bezog. Viele kamen aus dem Mainstream, waren White-Collar-Beschäftigte mit administrativen Befugnissen, Selbstständige und Geschäftsinhaber. Vier Angreifer kamen ums Leben, zwei davon mit Herzattacken, eine Frau wurde mutmaßlich erdrückt. Ein Polizist erschoss die Luftwaffenveteranin Ashli Babbitt, als die durch ein zerschlagenes Fenster in den Sitzungssaal gelangen wollte.

Rund 150 Sicherheitsbeamte wurden verletzt, vier nahmen sich in den Wochen nach dem Ansturm das Leben. Polizisten „leiden noch immer an körperlichen und seelischen Wunden“, so der demokratische Abgeordnete Don Beyer im........

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