Arbeitskampf | „Lidl macht uns kaputt“: Wie sich Angestellte gegen den Discounter-Giganten wehren

Marius Webers Gelenke schmerzen, der Stress macht ihm zu schaffen. „Nach über 20 Jahren bei Lidl bin ich Kummer gewohnt“, sagt der 44-Jährige.

Er arbeitet in einem Lager der größten Discounterkette Europas. Sein echter Name sowie Details zu dem Lager, in dem er arbeitet, sollen in diesem Text nicht vorkommen. Zu groß die Gefahr, dass er seinen Arbeitsplatz verliere, meint Weber. Am Telefon berichtet er dem Freitag von körperlicher Belastung, strikter Kontrolle und systematischer Einschränkung von Betriebsratsarbeit. „Lidl macht seine Mitarbeiter kaputt.“ Weber gehört zu den wenigen innerhalb des Unternehmens, die sich trauen, sich dagegen zur Wehr zu setzen.

Wie Kaufland gehört auch Lidl zur Schwarz-Gruppe. Mit rund 12.600 Filialen in 31 Ländern und einem jährlichen Umsatz von gut 175 Milliarden Euro ist das Unternehmen europäischer Marktführer. Die Schwarz-Gruppe beschäftigt allein in Deutschland rund 190.000 Menschen.

Das Unternehmen, das dem reichsten Deutschen, Dieter Schwarz, gehört, sorgt immer wieder für Skandale. 2005 veröffentlichten Journalisten in Kooperation mit der Gewerkschaft Verdi das Schwarzbuch Lidl und deckten so katastrophale Arbeitsbedingungen beim Discounter auf. Beschäftigte berichteten von Bespitzelung, unbezahlter Mehrarbeit und einem Klima der Angst.

2021 warf die Menschenrechtsorganisation ECCHR dem Konzern vor, Textilprodukte zu vertreiben, die von uigurischen Zwangsarbeitenden hergestellt werden. Lidl kündigte die Zusammenarbeit mit dem Zulieferer im Anschluss auf. Im Frühjahr geriet Kaufland nach einem Hygieneskandal in die Kritik. Beschäftigte berichteten von schwierigen Arbeitsbedingungen und psychischem Stress, die die Hygienemängel verursacht hätten (der Freitag 26/2025). Bei Lidl sieht es offenbar kaum anders aus.

Nach einer handwerklichen Ausbildung arbeitete Marius Weber einige Jahre in der Warenabfertigung, inzwischen ist er in einer anderen Abteilung tätig. Bei der Arbeit im Lager müsse man schwer heben, Hilfsmittel dafür würden kaum bereitgestellt. „Es ist, als würden wir in der Steinzeit arbeiten“, sagt er. Viele Beschäftigte würden im Laufe der Zeit krank, Gelenkschäden seien keine Seltenheit. „Einige laufen da wie Mumien mit Bandagen an Knien und Ellbogen herum.“

Dazu käme extremer Leistungsdruck. Mithilfe eines digitalen Systems werde die........

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