„Tönnies hat die Eberswalder Wurstwerke gezielt ausbluten lassen“
Immer wieder hört man von ostdeutschen Unternehmen, die von Konzernen aufgekauft und einige Zeit später dichtgemacht werden. So nun auch im brandenburgischen Britz. Der größte Fleischkonzern Europas, Tönnies, hat Anfang Januar angekündigt, die Eberswalder Wurstwerke zu schließen – nachdem der Betrieb erst 2023 erworben worden war.
Der Schock in der Region ist groß: 500 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. SPD-Landrat Daniel Kurth fühlt sich an Nachwendezeiten erinnert, der Brandenburger Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke spricht von „Marktbereinigungsstrategien“. Das Land Brandenburg prüft aktuell, ob der Standort anderweitig erhalten werden kann.
Im Gespräch mit dem Freitag erzählt NGG-Gewerkschaftsvertreter Uwe Ledwig, was hinter dem Vorgehen von Tönnies steckt, wie der Konzern Sozialpläne umgeht und wie es den Beschäftigten vor Ort geht.
der Freitag: Herr Ledwig, in der vergangenen Woche hat der Fleischkonzern Tönnies angekündigt, die Eberswalder Wurstwerke im brandenburgischen Britz Ende Februar zu schließen. Mehr als 500 Menschen verlieren ihre Jobs. Hat Sie diese Ankündigung überrascht?
Uwe Ledwig: Ich bin darüber zutiefst enttäuscht und bestürzt. Überrascht hat mich das aber nicht. Seit der Insolvenz der Eberswalder Wurstwerke im Jahre 2000 wurden nie regelmäßig Gewinne erwirtschaftet. Der Investitionsbedarf, besonders in Kühlanlagen, war seit langer Zeit extrem hoch.
Trotzdem hat die Zur-Mühlen-Gruppe, die zu Tönnies gehört, den Betrieb 2023 übernommen. Wusste der Konzern nichts von dem Investitionsbedarf?
Tönnies war die Lage durchaus bewusst. Trotzdem wurde der Belegschaft vollmundig versprochen, den Standort fit zu machen. Die versprochenen Investitionen in Dach und Fach blieben aber aus. Tönnies hat die Eberswalder........© der Freitag
