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Im Gespräch | „Jede Musik im Film geht über meinen Tisch“

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Seit über 20 Jahren kuratiert der in Hamburg geborene und in Berlin lebende Martin Hossbach die passende Musik für Kinofilme und Serien wie Toni Erdmann oder Krank Berlin. Zuletzt arbeitete er für Joachim Triers gefeierten Film Sentimental Value und Mascha Schilinskis In die Sonne schauen. Das musikalische Feingespür lernte Hossbach als Musikjournalist, Labelbetreiber und Festivalkurator. Aber es geht um mehr, als sich mit Musik auszukennen.

der Freitag: Herr Hossbach, was macht ein Music Supervisor genau? Wie sind Sie dazu gekommen?

Martin Hossbach: Ich habe in den 90er-Jahren eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei dem Musiklabel Polygram gemacht, das 1999 durch eine Zusammenführung zu Universal wurde. Nachdem ich bereits einige Jahre dort arbeitete, fragte mich eine Freundin des Musikers Carsten Meyer alias Erobique, ob ich dem Regisseur Ulrich Köhler bei seinem Film Montag kommen die Fenster helfen könnte, ein Stück der Pet Shop Boys zu lizenzieren. Man wusste, dass das meine Lieblingsband ist und dass ich möglicherweise einen Draht zu ihnen habe. Carsten Meyer, der wiederum wusste, dass ich bei Universal gelernt habe, hat da eins und eins zusammengezählt.

Der Karriereberater hieß hier wieder mal Zufall?

Genau. Seit 2004 berate ich Regisseurinnen und Regisseure bei der Musikauswahl für ihre Filme. Ich habe das inzwischen über 130 Mal gemacht, betreue ungefähr zehn Filme – mittlerweile auch Serien – pro Jahr. Music Supervisor heißt: Jedes Musikstück, das im Film zu hören ist, geht über meinen Tisch. Ich komponiere keine Musik, und es geht auch bei Weitem nicht nur um eigens komponierte Filmmusik. Die sogenannte Berliner Schule – Regisseur:innen wie Maren Ade, Angela Schanelec, Ulrich

Köhler oder auch Maria Speth – setzt Musik oft nur dann ein,wenn sie auch tatsächlich im Film vorkommt. Das nennt man diegetisch. Wenn jemand in einer Disco ist, läuft Musik. Wenn jemand die Straße entlanggeht, ohne Kopfhörer, dann gibt es keine Musik. Hauptsächlich habe ich mit Musikvorschlägen und der Klärung bereits existierender Musik zu tun. Gleichzeitig kann ich, wenn gewünscht, auch Komponist:innen vorschlagen, wenn es um den Score geht – also Filmmusik im klassischen Sinne. So würde ich theoretisch auch Hans Zimmer anfragen, wenn das jemand will.

Joachim Triers Film „Sentimental Value“, den........

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