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Warum reagiert Russland auf den Öltanker-Zugriff und den Venezuela-Coup so verhalten?

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08.01.2026

Eines sorgt jetzt bei erfahrenen Nutzern Moskauer Medien für Verwunderung: Die relative Milde, mit der die russische Regierung auf die Beschlagnahme des unter russischer Flagge fahrenden Öltankers „Marinera“ durch die US-Marine im Nordatlantik reagiert hat. Das US-Militär bestätigte die Beschlagnahme des Schiffes mit der Begründung, die Mannschaft habe die US-amerikanischen Sanktionen gegen Venezuela verletzt.

Die Reaktion Russlands fiel unerwartet dezent aus. Das russische Transportministerium veröffentlichte am 7. Januar eine Erklärung, das Frachtschiff „Marinera“ habe am 24. Dezember 2025 die „zeitweilige Erlaubnis“ erhalten, unter russischer Flagge zu fahren. Dies sei „auf der Grundlage der russischen Gesetzgebung und der Normen des internationalen Rechts“ erfolgt. Jedoch seien am 7. Januar „im offenen Meer“ Marine-Soldaten der USA „an Bord des Schiffes gegangen, die Verbindung mit dem Schiff ging verloren“.

Das russische Transportministerium weist darauf hin, „entsprechend den Normen der Vereinten Nationen über das Seerecht“ von 1982 seien auf offener See die „Regeln der freien Schifffahrt“ gültig. Kein Staat habe das Recht, „Gewalt anzuwenden gegen Schiffe, die in der Jurisdiktion eines anderen Staates registriert“ seien.

Auffällig war dabei der sanfte Ton des Moskauer Ministeriums, das den USA weder Piratentum noch direkt einen Bruch des Völkerrechts vorwarf. In den Abendnachrichten des Staatsfernsehens war die Kaperung der „Marinera“ keine Spitzenmeldung. Die sonst für wortgewaltige Mitteilungen bekannte Sprecherin des russischen Außenministeriums

© der Freitag