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Moskauer Kriegsalltag: Derzeit wird das Wort „Sieg“ eher selten gebraucht

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16.01.2026

Überlebensgroß schaut der junge Gardeleutnant Denis Bastrikow aus sieben Meter Höhe von einem Propagandaplakat auf den Leningradskij Prospekt im Nordwesten Moskaus. Der Soldat Bastrikow wird als „Held“ und „Stolz Russlands“ gewürdigt. Die Moskauer, die morgens bei minus 15 Grad durch den Schnee zur Metro-Station „Aeroport“ laufen, werfen selten einen Blick auf die ihnen dargebotene Heroisierung.

Entsprechend bleiben in den Buchläden manche Militärposter und Armeekalender Ladenhüter. Auch in das Geschäft für Militärmode „Woin“ (Krieger) in einem großen Einkaufszentrum an der Metrostation „Dynamo“ zieht es nur wenige Kunden. Hemden, Pullover, Jacken und Stiefel im Military-Look sind nicht sonderlich gefragt. Das Gros der Moskauer kleidet sich lieber zivil.

Sie leben in einem Land, dessen Fernsehen sie unablässig auf das bevorstehende fünfte Kriegsjahr einstimmt, das Ende Februar beginnt. In der Nachrichtensendung des Ersten Kanals wirbt Jekaterina Andrejewa (60), seit knapp dreißig Jahren TV-Sprecherin, für „unsere Helden, die für das Land und die Gerechtigkeit kämpfen“.

Korrespondenten des Kanals melden aus den Regionen einen steten Zustrom von Freiwilligen in den Rekrutierungsbüros. Zu Wort kommt auch Irina, eine Bewohnerin von Belgorod, der Grenzregion zur Ukraine. „Um gegen den Beschuss ihres Gebietes durch die Ukraine zu kämpfen“, hat sich die zwanzigjährige Krankenschwester für eine „Evakuierungsgruppe“ gemeldet, die Verwundete aus der Kampfzone rettet. Ihr Ehemann stehe bereits an der Front, erzählt........

© der Freitag