Flaschenpost der Generation X: In Bands wie Grenzkontrolle kommt der Politpunk zurück

Die 1980er sind einfach nicht totzukriegen. Die finale Staffel der Serie Stranger Things hat noch einmal deutlich gemacht: Das ist ein globaler Trend! Aber obwohl die Fantasy-Geschichte aus einer amerikanischen Kleinstadt durchaus die für das Jugendjahrzehnt der Generation X typische Geste der rebellisch-subversiven Popkultur genial in Szene setzt, ackert sich die Serie vor allem am Vintage-Tinnef der Konsumartikel ab, von Gatorade bis Benetton. Doch waren die 1980er mehr als das.

Mehr als eine gewisse Art von Mode, die ebenso in der platten Fernseh-Komödie wie im Remake teurer Science-Fiction-Epen à la „Blade Runner“ Stilmarken setzt. Mehr als das bunte Oberflächen-Panorama aus Florian Illies’ Generation Golf und der harmlos-naive Flügel der Neuen Deutschen Welle.

Diese anderen 1980er Jahre waren New Wave, Punk und radikaler Aktivismus. Auch wenn Linke dazu neigen, ihr Gen-X-Jahrzehnt bewegungspolitisch zu verklären – schrieben Hausbesetzungen, Anti-AKW-Randale und Autonome nicht eigentlich nur politische Formen der 1970er weiter?: Das politisch-aktivistische Szenerio dieser Dekade hat eigene Geste hervorgebracht.

Vom Waldsterben über den „Atomstaat“ bis hin zur nuklearen Hochrüstung lauerte unter den poppig-bunten Oberflächen dieses Jahrzehnts stets ein Endzeit-Gefühl. Und im politischen Aktivismus sorgte dieses Umfeld für einen Gestus des Ernst-Machens, sei es am Wackersdorfer Bauzaun, in der Hamburger Hafenstraße oder am Kreuzberger 1. Mai. Das spielerische Element des Sponti-Aktivismus der 1970er verschwand. So verzogen manche Stellungnahmen aus der damaligen Polit-Subkultur heute klingen mögen, es war das Jahrzehnt des Klartexts.

Das zeigte sich auch popmusikalisch, vor allem im Punk: War dessen erste, kurze Generation bloß symbolisch subversiv in einer Art von Kleidung, Haltung und DIY-Krach-Sound, die die Ruinen des fordistischen Nachkriegs-Booms zum Einstürzen bringen sollte, wurde........

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