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IAA | Knüppeln für das Auto

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16.09.2021

Am Dienstagvormittag seilt sich Sam von einer Autobahnbrücke auf der A94 kurz vor München ab. In fünf Metern Höhe schwebt sie über der Fahrbahn, bis der Berufsverkehr zum Erliegen kommt. Jeden Tag donnern hier sonst um diese Zeit die Autos Richtung Münchner Innenstadt, auf einmal steht alles still. Die bayrische Polizei beendet die Abseilaktion rasch, Sam wird mitgenommen. Doch dann will die Polizei sie für sechs Tage hinter Gitter stecken, präventiv, um sie an weiteren Protestaktionen zu hindern.

Sam ist Klimaaktivistin, Mitte zwanzig, mit lila gefärbten Haaren. Ihre Augen leuchten, als sie drei Tage später von der Abseilaktion erzählt. Angst habe sie nicht gehabt, sagt sie. „Ich gehe ja auch zu Hause oft klettern.“ Außerdem hätten ihre Eindrücke auf der Autobahn sie von der Notwendigkeit ihrer Aktion überzeugt. „Es war heftig, da oben zu hängen und zu sehen, dass in jedem Auto nur eine Person saß – das ist krass ineffizient.“

Die Autobahnblockade ist eine Aktion der Gruppe „Aktion Autofrei“. Sie will damit gegen die Internationale Automobilausstellung (IAA Mobility) zwischen 6. und 12. September in München protestieren. Überall blockieren an diesem Morgen rund um München Aktivist*innen Autobahnen, lassen Transparente herab und überkleben Verkehrsschilder, um darauf aufmerksam zu machen, dass – aus ihrer Sicht – die Automobilkonzerne „für ihre Profite die Klimakrise befeuern“. Selbst wenn auf der IAA dieses Mal an jeder Ecke von klimafreundlicher Technologie und Elektroautos die Rede war, sei dies doch nur „Greenwashing“, jetzt würden bloß die „Ausbeutung der Beschäftigten und die Zerstörung unserer Zukunft als ‚sauber, grün und zukunftsfähig‘........

© der Freitag


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