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Literatur | Das Inferno als Referenzsystem der Gegenwart

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26.09.2021

Angesichts der nicht eben wenigen und zudem meist gewichtigen Darstellungen zum NS-Film ist es mutig, ein schmales Bändchen zum Thema vorzulegen. Wolfgang Jacobsen gelingt das bravourös mit anekdotischen, exemplarischen Analysen einzelner Filme, Genres oder Themen, etwa zu den politischen, ökonomischen und technischen Voraussetzungen. Das alles ist prägnant auf den Punkt gebracht und mit feinen Sentenzen kommentiert.

Jacobsen zeigt die Affinität des NS-Films zum Melodram auf – wobei seine Ehrenrettung für Helmut Käutner diskutabel wäre – ebenso wie den Hang zur Musik als emotionales Überwältigungsdirigat oder die Verwendung von Historie als Präskript der Gegenwart. Er vergisst dabei die Entwicklung der Wochenschauen ebenso wenig wie die Führer- und Geniefilme oder die antisemitischen Stimmungsmacher, wobei ihm sowohl überzeugende Analysen von unbekannteren Filmen gelingen als auch tiefgründige Beobachtungen, wie beispielsweise die zur erzieherischen Baummetaphorik. Einzig dem Bergfexen Luis Trenker wird ein c zu viel attestiert, was ihn nahe an Trenck, den Husaren, rückt. Ansonsten ist dies jedenfalls ein wahres Husarenstück und keine Albers’sche Münchauseniade!

Am Bogensee bei Berlin hatte Goebbels einen Landsitz, der wurde, erweitert um zuckerbäckrige Unterkünfte von Stararchitekt Henselmann, zur........

© der Freitag


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