Verschwörungserzählungen nach dem Berliner Stromausfall: Warum auch Linke anfällig sind |
In Berlin fiel der Strom aus. Unzählige Menschen kamen zu Schaden und mussten tagelang bei Minusgraden frieren oder in Notunterkünften evakuiert werden.
Obwohl die linke Vulkangruppe sich zu dem Anschlag bereits bekannt hatte, wurde vor allem in linken und grünen Kreisen gemunkelt, Russland hätte dem Südwesten Berlins den Strom abgedreht und sei Drahtzieher des Ganzen gewesen. Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz sprach von „Akteuren im In- und Ausland“. Die Sicherheitsbehörden konnten jedoch keine Beteiligung Russlands feststellen.
Wie also entstehen solche Verschwörungserzählungen auch in sich selbst als aufgeklärt verstehenden Milieus und welche Gefahren bergen sie für den demokratischen Diskurs? Darüber hat der Freitag mit der Psychologin und Extremismusforscherin Pia Lamberty gesprochen.
der Freitag: Frau Lamberty, wie und warum entstehen solche Verschwörungserzählungen?
Pia Lamberty: Durch den Berliner Stromausfall ist viel Leid entstanden. Gleichzeitig gab es eine Informationsleerstelle, die mit Interpretationen gefüllt werden muss. Von der sogenannten Vulkangruppe, die sich zu dem Anschlag bekannte, weiß man relativ wenig – auch wenn sie schon lange aktiv ist.
Bei Gruppen wie der Letzten Generation hat man Gesichter vor Augen. Physische Menschen, die man zuordnen kann. Die Vulkangruppe hingegen agiert im Hintergrund und lässt sich dadurch viel weniger nachvollziehen.
Was bedeutet das konkret für die Erzählung?
Das heißt, dass die Informationsleerstelle mit eigenen Interpretationen gefüllt wird. Entweder man glaubt den offiziellen Informationen der Sicherheitsbehörden, dass der Anschlag von eben dieser linken Gruppe verübt wurde, die so etwas anscheinend ja auch nicht zum ersten Mal gemacht hat.
Oder man stellt die Informationen der Sicherheitsbehörden infrage, weil man ein gewisses Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen hegt. Das kennen wir aus dem Spektrum der Corona-Leugner:innen, für jene „die Medien“ und „die Wissenschaft“ eben Stellen sind, die sie mit Skepsis betrachten. Das erleben wir aber auch in eher linken Strukturen.
Wie kommt es, dass auch Menschen aus dem politisch linken und grünen Milieu, die sich selbst ja meist als besonders aufgeklärt verstehen, solchen Verschwörungserzählungen verfallen?
Der Prozess läuft in........