Aleppo unter Beschuss: „Islamistische Milizen haben unser Viertel gestürmt“
Im nordsyrischen Aleppo kam es zu den massivsten Kämpfen seit dem Sturz des Diktators Assad. Truppen der Übergangsregierung von Machthaber al-Scharaa lieferten sich tagelange gewaltsame Auseinandersetzungen mit den kurdisch dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF), die die Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh kontrollierten. Laut Berichten sollen sich die SDF-Kräfte nun zu einem Abzug aus der Großstadt bereit erklärt haben.
„Wir haben eine Einigung erzielt, die zu einer Waffenruhe geführt hat“, teilte der SDF-Oberkommandierende Mazlum Abdi mit. Mehr als 21 Menschen wurden bei den Kämpfen getötet, rund 150.000 sollen nach Angaben lokaler Behörden geflohen sein. Carlo Hoffmann und Christopher Wimmer sprachen mit der kurdischen Aktivistin Haifa Mohammed über die aktuelle Situation. Mohammed lebt in Aleppo, und musste in den vergangenen Tagen vor den Kämpfen flüchten.
der Freitag: Frau Mohammed, Sie lebten bislang im kurdischen Teil Aleppos. Wie gestaltete sich das Leben in den Stadtvierteln Scheich Maksud und Aschrafijeh?
Haifa Mohammed: Ich bin seit 2018 in Aschrafijeh. Wir konnten hier gut leben. Zwar sind die Stadtteile kurdisch geprägt, doch lebten hier verschiedene ethnische und religiöse Gruppen friedlich zusammen. Gleichzeitig waren die Viertel immer von Gegnern umgeben. Bis 2012 waren wir vom Assad-Regime umzingelt, danach hat die neue „Übergangsregierung“ im Rest der Stadt die Macht übernommen. Das führte bei uns immer wieder zu Unsicherheit und Instabilität. Es gab Diebstähle, Entführungen und Morde. Wir haben gelernt, damit umzugehen – aber seit einigen Monaten wurden die Bedingungen unerträglich.
Was ist passiert?
Die islamistische „Übergangsregierung“ hat in den vergangenen Monaten den Druck auf uns erhöht und die Stadtviertel blockiert. Es gab bald keinen Heizstoff mehr, die medizinische Versorgung und Nahrungsmittel wurden knapp. Zudem begannen Angriffe auf die Viertel, die jedoch von den Sicherheitskräften und der Zivilbevölkerung lange Zeit abgewehrt werden konnten.
Anfang Januar eskalierte die Situation. Beide Seiten erheben schwere Vorwürfe. Wie haben sie die Situation vor Ort wahrgenommen?
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