Meine Zodiac-Killer-Doku scheiterte – aber ich verstand, wie True Crime funktioniert

Es scheint, als gäbe es vor True Crime gerade kein Entkommen, egal ob auf Netflix oder beim Büroschwatz mit Kollegen. Und das ist noch gar nichts gegen die Zustände in der Filmindustrie. Wenn Sie dort bei Produzenten oder Fernsehredakteuren Ihr Herzensprojekt eines Dokumentarfilms über die Geschichte der Pantomime oder das geheime Leben der Schnecken vorstellen, können Sie die Antwort fast schon hören, bevor sie ausgesprochen wird: „Haben Sie noch andere Vorschläge?“ Vielleicht was mit Mord und Totschlag?

Ich hatte 2015 gerade erst angefangen, Dokumentarfilme zu drehen, als die doppelte Schlagkraft von HBOs Der Unglücksbringer (The Jinx) und Netflix’ Making a Murderer den Hype um das True-Crime-Genre – also die Nacherzählung wahrer Kriminalfälle – so richtig anfachte. Diese Serien, die ebenso sehr als engagierte Filmkunst wie als Krimis daherkamen, schienen einen Neuanfang für das Genre einzuläuten.

Bald jedoch wichen sie einer Flut von austauschbaren Angeboten, von denen viele in reproduzierbaren Formaten organisiert waren, wie beispielsweise die Netflix-Reihe „Conversations With a Killer“, bei der jede Staffel um ein lange verschollenes Interview mit einem berüchtigten Serienmörder wie Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer herum aufgebaut ist, das auf Bestellung ausgegraben wird.

Dennoch stand ich diesem Trend nicht völlig ablehnend gegenüber. Da ich seit langem ein begeisterter Konsument von True-Crime-Filmen und -Fernsehserien bin, faszinierte mich der Aspekt des Rätsellösens in diesem Genre: die Art und Weise, wie sich die Hinweise im Laufe der Zeit zusammenfügen und eine saubere Auflösung verlockend nah erscheinen lassen, auch wenn wir wissen, dass der betreffende Fall ungelöst bleibt.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich 2005 zum ersten Mal die französische True-Crime-Serie The Staircase: Tod auf der Treppe (Soupçons) sah, die von der BBC ausgestrahlt wurde. (Später, als der Boom der True-Crime-Serien in vollem Gange war, wurde sie von Netflix erworben und erweitert und dann von HBO als dramatische Miniserie adaptiert.) Als eine Enthüllung nach der anderen auf die Unschuld des Schriftstellers Michael Peterson hindeutete, der des Mordes an seiner Frau Kathleen angeklagt war, war ich überzeugt, dass er im Finale freigesprochen werden würde – obwohl ich bereits online nachgeschlagen und herausgefunden hatte, dass er in North Carolina inhaftiert war. So groß ist die Macht des ungelösten Rätsels.

Natürlich hatte ich Bedenken gegenüber einem Geheimnis, das aus dem Leben – und dem schrecklichen Tod – realer Menschen geschaffen wurde, aber ich kam zu dem Schluss, dass es eine gute Möglichkeit sein könnte, etwas Unterhaltsames zu schaffen, die bekannten Tropen und starren Formeln von True Crime für etwas Ambitionierteres nutzen zu könnten. Die Möglichkeiten schwirrten mir im Kopf herum, als ich mir erlaubte, mir meine eigene True-Crime-Dokumentation vorzustellen.

Ich war auf eine Autobiografie mit dem Titel „The Zodiac Killer Cover-Up“ gestoßen, geschrieben von einem kürzlich verstorbenen kalifornischen Highway-Patrol-Officer namens Lyndon Lafferty. In dem Buch beschreibt Lafferty seine jahrzehntelange Suche nach dem berüchtigten Serienmörder aus der Bay Area, nachdem er zufällig an einer Autobahnraststätte auf den Verdächtigen gestoßen war.

Es war nicht das erste Buch, das ich über den Zodiac-Killer gelesen hatte, der Ende........

© der Freitag