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Porträt | Die, die Monster bezwingt

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25.09.2021

Zum ersten Mal ganz oben zu stehen, bejubelt von der Kritik, gefragt von den großen Orchestern der Welt – das ist vielleicht der gefährlichste Moment einer Dirigentenkarriere. Bei Joana Mallwitz kam dieser Punkt mitten in der Pandemie. Alle Aufführungen waren abgesagt, einzig die Salzburger Festspiele hatten ein Sicherheitskonzept entwickelt, das den Spielbetrieb zuließ. Auf dem Programm: Mozarts Oper Così fan tutte. Nach den ersten beiden Lockdowns waren die Menschen kulturell ausgehungert, alle Ohren lauschten nach Salzburg. Die Produktion wurde im Fernsehen übertragen. Und war ein riesiger Erfolg (der Freitag 34/2020)! Mallwitz selbst überflog die Kritiken nur. Aber ihr Mann, der Opernsänger Simon Bode, hatte sie sorgfältig studiert und am Frühstückstisch Entwarnung gegeben: „Alles ist gut.“

Irgendwann klingelte das Telefon bei Joana Mallwitz. Auf der anderen Seite war ihr Manager Michael Lewin. Ein Haifisch im Klassik-Becken. Einer, der es vermag, den Intendanten eines Weltklassehauses eine ganze Besetzung mit eigenen Künstlerinnen und Künstlern unterzujubeln. Wie es denn aussehe, wollte er von Mallwitz wissen, sie könne kurzfristig bei den Berliner Philharmonikern einspringen, ein Kollege habe abgesagt, der Weg nach ganz oben sei frei. Aber die Dirigentin lehnte ab. Wenn man bei den Berlinern zusage, müsse alles stimmen. Später gerne. Wenn es passe.

Nun muss man wissen, dass Orchester Monster mit 100 Mäulern sein können, die einen neuen Dirigenten in Bausch und Bogen, mit Pauken und Trompeten verschlingen und verdauen können. Es gehört allerhand Selbstbewusstsein dazu, sich dem zu........

© der Freitag


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