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Literatur | Arbeit am Trauma

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02.05.2020

„Der Holocaust wurde nicht mit der Befreiung der Konzentrationslager beendet. Er lebt in allen weiter, die mit ihm in Berührung waren“, schreibt Maya Jacobs, geborene Lasker-Wallfisch, in ihrem Debüt. Sehr persönlich erzählt die 62-Jährige, wie sich die Verfolgung und Ermordung ihrer Familie auf sie auswirkte. Ihre Mutter Anita Lasker-Wallfisch überlebte Auschwitz, weil sie dort im Orchester Cello spielen „durfte“ – für die Zwangsarbeiter und die Todgeweihten auf dem Weg in die Gaskammern, Tag für Tag. Die Cellistin konnte auch ihre ältere Schwester Renate retten. Die Teenager überwanden Typhus und 1944 den Transport nach Bergen-Belsen, wo sie befreit wurden. Da war Anita 19 und seit drei Jahren Vollwaise: Die Nazis hatten ihre Eltern ermordet.

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Darüber wusste Maya lange fast nichts. Erst 40 Jahre nach dem Krieg konnte ihre Mutter ihr Schweigen brechen. Sie schenkte ihren beiden Kindern zu Weihnachten ihre Erinnerungen: Meine Geschichte. Da war Maya längst zum Resonanzboden der Traumata ihrer Mutter geworden. Sie hatte deren Ängste von damals unbewusst übernommen, trug ihre tief vergrabene Trauer in sich, die Verlassenheits- und die Schuldgefühle, anstelle der Eltern überlebt zu haben. Bis ins........

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