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Gaza | Hallo Welt, auch mal isoliert?

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14.04.2020

Dr. Ghada Al-Jabda steht in diesen Tagen unter dauernder Anspannung. Spätestens nachdem die Palästinensische Autonomiebehörde am 5. März den Notstand ausgerufen hatte, war der Ärztin klar, dass nun sehr schnell alles getan werden müsse, um die Bevölkerung des Gazastreifens zu schützen. Als am 22. März die ersten beiden Corona-Fälle bekannt wurden – zwei Reisende, die aus Pakistan zurückgekehrt waren –, hatte die Leiterin der 22 Gesundheitszentren des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) bereits allerhand in Bewegung gesetzt, um ihre Mitarbeiter auf das Kommende vorzubereiten und Hochrisikopatienten von anderen Kranken zu trennen. Die Suche nach Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln lief auf Hochtouren, aber an allem herrscht bisher ein chronischer Mangel, auch an Medikamenten. „Wir haben in ganz Gaza nur 60 Intensivbetten und weniger als 100 Beatmungsgeräte. Damit können wir im Fall der Verbreitung des Virus nur einen winzigen Bruchteil der Menschen behandeln“, sagt die 51-Jährige. Verzweifelt wird über Alternativen zur Beatmung nachgedacht.

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Mit knapp zwei Millionen Einwohnern auf 365 Quadratkilometern gehört der Gazastreifen zu den am dichtesten bevölkerten Gebieten der Erde. Das Virus hätte hier leichte Beute, da das Konzept des Social Distancing hier kaum einzuhalten ist. Soziale Nähe ist in dieser Konfliktregion zudem wichtig zum Überleben. 70 Prozent aller Bewohner Gazas sind seit dem Verlust ihres Wohnsitzes durch den arabisch-israelischen Krieg 1948 als Flüchtlinge registriert, der Großteil lebt in acht Flüchtlingslagern. Die Lebensverhältnisse dort sind wenig einladend, in den barackenartigen Gebäuden wohnen oft Großfamilien dicht an dicht. All das bei wenig sauberem Wasser, einem miserablen Abwassersystem und eingeschränkter Stromzufuhr. Die Flüchtlinge sind auf das UN-Hilfswerk angewiesen, das sie mit medizinischer Grundversorgung, Schulunterricht und Lebensmittelrationen unterstützt.

Dass die Lebensumstände, von den Flüchtlingen abgesehen, auch für das restliche knappe Drittel der Gaza-Bewohner prekär sind, die in Dörfern und Städten leben, geht auf die seit Jahrzehnten andauernde israelische Besatzung zurück. Durch die vollständige Blockade, die Israels Regierung seit 2007 über den Gazastreifen verhängt, und die drei Kriege (siehe Glossar), bei denen das israelische Militär die Infrastruktur massiv beschädigt hat, sind Wirtschaft........

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