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Bulgarien | Wo der Asphalt endet

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30.04.2020

Tagelang waren Miroslava und Christiana telefonisch nicht erreichbar. Ihre Mutter Mariana konnte die Internetgebühren nicht bezahlen, weil sie wegen der Corona-Krise schlagartig ihren Job in einer Fischfabrik im bulgarischen Sliven verloren hat. Ohne Arbeit und Sozialversicherung kann Mariana nicht für ihre Töchter sorgen. Die 29-Jährige lebt mit den Teenagern bei ihren Großeltern, zu fünft in zwei Zimmern. Der Vater ihrer Kinder war bald nach Christianas Geburt von einer Reise auf der Suche nach Arbeit nicht zurückgekehrt. Das ist Alltag für viele Frauen im Roma-Slum Nadeshda.

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Nadeshda bedeutet „Hoffnung“ und ist der Inbegriff von Hoffnungslosigkeit. Hier gilt: „Wo der Asphalt endet, beginnt das Viertel der Roma.“ Das Ghetto liegt umgeben von einer hohen Backsteinmauer am Rand von Sliven in einem Industrierevier, direkt an den Bahnschienen. Keine Grünfläche, kaum ein Busch oder Baum, dafür jede Menge Müll, Ratten und oft Pfützen von geplatzten Wasserrohren. 25.000 Menschen leben hier auf 0,2 Quadratkilometern, dreißigmal so dicht wie in Berlin.

Zum Einkaufen oder zur Apotheke in Sliven gelangt man über eine Schotterstraße, die jetzt von der Polizei verbarrikadiert ist, nachdem rechtsextreme Politiker dafür gesorgt haben, Roma im ganzen Land durch „nationale Maßnahmen“ vom Rest der Bevölkerung zu isolieren. Es wird behauptet, „die Zigeuner“ brächten das Corona-Virus in Umlauf.

Roma, wo immer sie leben, stehen seit Jahrhunderten unter Generalverdacht. Einst von den Nazis verfolgt und ermordet, werden sie bis heute als schmutzig, kriminell und primitiv stigmatisiert. „In der Not sucht sich........

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