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Liebe & Sex: Die Bibliothekarin und der Bär mit dem Penisknochen

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14.05.2022

Eine der schönsten Spielarten erotischer Interaktivität ist die Literatur. Indem der Leser die vom Autor zuvor in Sprache eingefrorene Fantasie mit dem Hauch seines Geists wieder verlebendigt und sich anverwandelt, wird die Dualität des Körperspiels überwunden. Selbst restlos komplementäre Sexualpartner können nicht so innig miteinander verschmelzen. Ich wundere und freue mich, dass das alle Grenzen überwindende Spiel der Vorstellungskräfte keine Eifersucht im echten Leben auslöst. Vielleicht sollte ich es nicht an die große Glocke hängen, denn eigentlich würde ich mich nicht wundern, wenn Paare, die eine exklusive Beziehung führen, einander das nun wiederentdeckte Buch von Marian Engel aus der Hand schlügen.

Bitte nicht! Das Schöne an solchen literarischen Anverwandlungen und Verschmelzungen ist ihre Geräumigkeit. Man kann sie ohne Verluste miteinander teilen, am besten vorlesend.

Eine Bibliothekarin namens Lou hat einen Liebhaber: Er verbreitet einen „Duft nach Moschus, so durchdringend wie der hohe, süße Ton einer Hirtenflöte“. Dass er nicht spricht, gibt ihr die Möglichkeit, ihm „jedes beliebige Gesicht aufzumalen“, während „die Skala seiner wahren Gesichtsausdrücke“ jedoch ein Geheimnis bleibe. „Was er auch denken mag, er benimmt sich vorbildlich.“ Zumindest so lange, wie sie ihn an der Kette hat. Einmal ertränkt er sie fast, und ein andermal reißt er ihr die Haut vom Rücken.

Aber dies geschieht im Überschwang des ungezähmten Antriebs, mit dem er ihr dient. „Solange sie morgens ihren Kot neben ihm ablegte, war er bereit, wann immer sie die Beine für ihn spreizte.“ Mit seiner langen, rosa und schwarz gesprenkelten, fetten und gefurchten Zunge, der „Zunge eines........

© Berliner Zeitung


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