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Warum wollen alle lieber fühlen als wissen?

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02.07.2022

Die Schelde treibt langsam und giftig an mir vorbei, ich sitze mit angezogenen Beinen am Ufer und beobachte Fischreiher, wie sie mit ihren langen Schnäbeln nach Stichlingen schnappen. Dieser Fluss, im Hafen der Stadt Antwerpen, zieht all das mit sich, was wir Menschen produzieren, denke ich.

Wolken hasten durch einen blauen Himmel, werfen Schatten; im Hintergrund ein Chemiewerk, so groß wie eine Brandenburgische Stadt. Wenige Menschen bedienen Ventile und produzieren den Stoff, aus dem wir Träume herstellen: Plaste.

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Andere Werke produzieren hier Chemikalien, die Kaffeebecher versiegeln, unsere Welt wasserabweisend machen. Und krank. Wie ein menschlicher Körper produzieren diese Unternehmen Abfälle, die wir kaum verstehen. Der Fischreiher schluckt sie herunter, wie eine giftige Medizin. Und er wird nicht gesund sein. Ich erkenne ein krüppeliges Füßchen, einen brüchigen Schnabel in seinem Vogelgesicht.

Ich sitze, strecke jetzt die Beine aus, im Schatten des Atomkraftwerks Doel. Vier Blöcke, zwei Schornsteine, die den Wasserdampf als falsche Wolken in den Himmel atmen. 2017 hat dieses Kraftwerk 20.681 Gigawattstunden in das Netz, das wir Menschen wie feine Adern über diese Welt gelegt haben, eingespeist.

Kommentar Brutal........

© Berliner Zeitung


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