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Mit Humboldt durch den Amazonas oder Yak-Milch in der Mongolei

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05.06.2022

Mein Vater wird nun bald siebzig Jahre alt, und ich finde das nicht schlimm. Ist es ja auch nicht. Väter sind, zumindest in der Wahrnehmung ihrer Kinder, immer um die siebzig. Besonders mein Vater.

Meine erste Erinnerung an meinen Vater ist jetzt ungefähr 35 Jahre her, er hatte mich aus dem Kindergarten in Friedrichsfelde abgeholt, und wir spielten zusammen in meinem Zimmer. Ich weiß nicht mehr, was wir spielten; ich weiß nur, dass er mir seine Matchbox-Autos gab und seine Mosaik-Hefte. Ein großer Fehler.

Die Mosaik-Hefte habe ich mit einer Kinderschere zerstört und die Matchbox-Autos zwischen zwei Ziegelsteinen zerdrückt. Dabei sollten die kleinen Autos und dieser DDR-Comic eigentlich seinen Ruhestand finanzieren. So wertvoll sollen sie heute sein. Ich glaube das allerdings nicht.

Unser Kolumnist Thilo Mischke.

Erinnerungen an meinen Vater sind immer Erinnerungen an einen lustigen Mann, der schiefe Bücherregale mit einem Hammer korrigiert und dabei vergisst, dass eine mit Kieselsteinen gefüllte gusseiserne Kanne auf dem Regal steht, die ihm dann auf den Kopf fällt. Vater liest, Vater liest mit Lupe, Vater guckt „Raumpatrouille Orion“, Vater........

© Berliner Zeitung


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