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Droge MDMA: Das chemische Glück, das mich zum Egoisten macht

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30.07.2022

Ich konsumiere keine Drogen. Niemals Kokain, selten Alkohol, kiffe nicht. Ich verlasse Partys, wenn sie beginnen, will dann nach Hause und mich nicht unterhalten, nicht laute Gespräche in die nahen Ohrmuscheln ferner Menschen führen. Ich wollte nie jemand anderes sein, deswegen nehme ich keine Drogen.

Die Welt, in der ich mich als Journalist und damit auch als Mensch, bewege, die mir offen steht, ist eine dunkle. Eine von Schmerz, von Tod und Verderben bestimmte Wirklichkeit. Ich wurde in den letzten Jahren so oft mit dem Tod konfrontiert, dass meine Prioritäten in der Heimat, zu Hause, in meiner Straße ganz andere geworden sind.

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Ich will meine Ruhe. Ich will nicht lesen, nicht mal Videospiele spielen, keine Filme sehen, ich will Stille. Mehr brauche ich nicht. Alltag ist für mich Aufregung. Ein Ausbrechen aus dem Alltag bedeutet, das gedämpfte Geräusch des Verkehrs der Straße, in der ich aufwuchs, zu hören. Es bedeutet, die Krähen beim Knacken von Kirschkernen zu beobachten.

Obwohl ich keine Drogen nehme, bin ich neugierig. Ich habe mich zwei Jahre lang mit der Substanz MDMA auseinandergesetzt, bevor ich sie zum ersten Mal genommen habe. Ich habe sie als Therapeutikum ausprobiert. Kürzlich, wie viele andere auch, auf der Fusion. Die einen wollten aus dem Alltag ausbrechen, ich wollte wissen, wie Glück schmeckt. Ob ich denn noch glücklich sein kann. Vor allem: unbefangen.

Vor zwei Monaten war ich in Afghanistan. Solche Reisen hinterlassen feine Verletzungen auf der Seele, Verletzungen, die ich immer erst später spüre.........

© Berliner Zeitung


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