Deutschland braucht eine neue Gründerzeit!

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Deutschlands Innovationskraft stagniert. Das größte EU-Land ist Weltspitze in der Forschung, aber nur Mittelmaß bei der Kommerzialisierung. Das zeigt das aktuelle Innovationsbarometer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Und mehr noch: In zentralen Wachstumsfeldern des KI-Zeitalters geraten deutsche Unternehmen zusehends unter Druck.

Die Aussagen mögen alarmistisch klingen oder als übertrieben eifriger Verbandslobbyismus abgetan werden, doch unzählige Konferenzen und Branchentreffen im politischen Berlin kreisen seit Monaten genau um diese Problembereiche. So zuletzt im November beim deutsch-französischen Gipfel für digitale Souveränität. Fast alle europäischen Digitalminister, inklusive EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen, waren im Euref-Campus Berlin anwesend. Das Leitmotiv war auch hier: Europas technologische Unabhängigkeit sichern.

Hochrangige Foren wie dieses sind wichtig, nicht zuletzt wegen ihrer Symbolwirkung. Umso besser, wenn sie von Investitionszusagen bekräftigt werden: Beim Digitalgipfel war von 200 Milliarden Euro für KI-Gigafactories und Deep-Tech die Rede, die die EU für ihre ambitionierten Pläne mobilisieren will. Doch Formate, die helfen, Beschlüsse aus der politischen Flughöhe in praktikable Schritte zu übersetzen, sind nicht weniger wichtig. Ein solches war das InnoNation-Festival des BDI, das kurz darauf stattfand.

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08.11.2025

Die Sorge, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückbleibt, weil seine Innovationskraft stagniert, ist inzwischen real. Zudem nagt es am deutschen Selbstverständnis, wenn das Land, das einst mit „Industrie 4.0“ die digitalisierte Produktion prägte, trotz exzellenter Forschung, starkem Mittelstand und herausragenden Ingenieurskompetenzen ins Hintertreffen zu geraten droht.

Einige werden sich an den visionären Kagermann-Bericht über das „Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ erinnern, den Henning Kagermann, damals Präsident von Acatech, auf der Hannover-Messe 2011 vorgestellt hatte. Die deutsche Idee einer digital vernetzten Wertschöpfung hatte eine hohe Strahlkraft weltweit: China („Made in China 2025“) und die USA („Smart Manufacturing“) ließen sich davon inspirieren. Damals befand sich die Welt noch in einer........

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