Ein vielsagender Titel für den Deutschen Pavillon in Venedig: „Ruin“ |
Während die EU der Venedig-Biennale mit dem Entzug von zwei Millionen Euro Fördermitteln droht, weil Russland teilnimmt, teilt das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) mit, welchen Titel die Ausstellung im Deutschen Pavillon hat: „Ruin“. Und zwar in Schwarz-Rot-Gold, den Farben der deutschen Flagge. Kuratiert von Kathleen Reinhardt, präsentiert der Pavillon vom 9. Mai an Arbeiten der kürzlich verstorbenen Henrike Naumann und von Sung Tieu.
„Ruin“! Was für ein Titel, bezeichnet das Wort doch einen Zustand des Zusammenbruchs, ob ökonomisch, gesellschaftlich oder moralisch. Die Typografie des Titels „Ruin“ ist einem Graffito entnommen, das den letzten Pavillon der DDR auf der 44. Internationalen Kunstausstellung der La Biennale di Venezia gekennzeichnet hat – ein schwarz-rot-goldenes „D.D.R.“ aus dem Jahr 1990, wie das ifa mitteilt, das für den deutschen Beitrag verantwortlich ist. Das grafische Konzept hat Dan Solbach entwickelt.
„Ruin“ – ein Titel, der mit Assoziationen spielt
Der Deutsche Pavillon werde zu einem Raum, in dem sich physische und soziale Strukturen, deutsche Ideologien und gelebte Biografien materiell überlagern und Architektur, Geschichte und Psychologie in ein produktives Spannungsverhältnis treten, heißt es in der Mitteilung weiter. „Der Titel spielt mit den Assoziationen, die er weckt.“
Henrike Naumann und Sung Tieu nämlich greifen in ihren neu entstehenden Arbeiten auf Recherchen zur DDR und zur Transformationszeit nach der Wiedervereinigung 1990 zurück und zeigen, wie historische Brüche und Leerstellen in politischen, sozialen und architektonischen Strukturen fortwirken – bis in die Gegenwart, so die ifa. „Sie reflektieren die faschistische Architektur des Deutschen Pavillons und die deutsche Geschichte, indem sie den Ort künstlerisch neu besetzen.“ Der Deutsche Pavillon wurde 1938 von den Nationalsozialisten zu einem Repräsentationsbau des Dritten Reichs umgestaltet.