Visa-Stopp: Wie Deutschland gleichzeitig Fachkräftezuwanderung und Wandel in Iran ausbremst |
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Deutschland klagt über Fachkräftemangel – und blockiert zugleich genau jene Menschen, die ihn lindern könnten. Im vergangenen Jahr erteilte die deutsche Botschaft in Teheran monatelang keine Visa mehr. Dann wurde langsam, quasi tröpfchenweise, wieder damit begonnen, wie im September 2025 auch der scheidende deutsche Botschafter Markus Potzel in seiner auf Persisch verbreiteten Abschiedsbotschaft in den sozialen Medien ankündigte: Man werde zukünftig keine großen Zahlen von Visa mehr vergeben.
Betroffen sind konkrete Personen: Pflegekräfte mit festen Arbeitsverträgen, Nachwuchswissenschaftlerinnen mit Einladungsschreiben zu internationalen Konferenzen, Ingenieure und ITler mit anerkannten Abschlüssen. Hochqualifizierte, motivierte Frauen und Männer aus dem Iran, die bereit sind, in Deutschland zu arbeiten, Steuern zu zahlen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – und die an der Untätigkeit deutscher Behörden scheiterten. Die zuvor teils jahrelang auf hohem Niveau Deutsch gelernt und sich auf die berufliche Zukunft vorbereitet hatten. Nun, in der gegenwärtigen Situation bürgerkriegsähnlicher Unruhen, stehen sie vor dem Nichts.
Diese Untätigkeit ist kein Verwaltungsdetail, sondern ein politisches Signal. Seit dem militärischen Schlagabtausch zwischen Israel und Iran im Juni 2025 blieb die deutsche Botschaft faktisch geschlossen. Anträge wurden nicht bearbeitet, Anfragen mit geradezu frech zu nennenden Textbausteinen abgewehrt, Alternativen nicht aufgezeigt. Intern sprachen Diplomaten von einer Form der „provokativen Untätigkeit“– ein Begriff, der weniger auf organisatorische Überforderung als auf politisches Kalkül verweist. Provokativ – aber gegenüber wem?
Klappt es diesmal mit der Revolution im Iran – oder endet........