We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Schwieriges Gedenken an das Kriegsende: Buh-Rufe und Flaggenverbot in Berlin

6 3 0
08.05.2022

Berlin - Sobald er durch die Polizeikontrolle am Treptower Park durch ist, setzt der Mann seine Mütze auf. Es ist eine Schiebermütze, wie sie vor 100 Jahren viele Männer in Berlin getragen haben. Auch Ernst Thälmann ist oft mit dieser Mütze abgebildet worden. In der Mitte der Mütze ist ein Anstecker, ein kleiner roter Stern, darauf Hammer und Sichel.

Der Mann mit der Mütze nennt sich im Internet „HP Koch“, er ist rund Mitte 50 und ist schon von Weitem zu erkennen auf dem großen Platz vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park. Er trägt nämlich ein rote Fahne und schwenkt sie.

TV-Rede des Bundeskanzlers Olaf Scholz: „Maximale Solidarität“ mit der Ukraine - aber keine Reise nach Kiew

Aggressive Sprechchöre Bei Kranzniederlegung: Störer skandieren „Melnyk raus!“

„Das ist die Arbeiterfahne“, sagt Koch und seine Begleiterin fügt wütend hinzu: „Dass man das überhaupt Menschen erklären muss, unglaublich!“ Koch sagt, dass er die Fahne erst nicht mit auf den Platz bringen durfte – dann aber doch, weil schließlich auf der Fahne Hammel und Sichel fehlen. Er grinst. „Die Arbeiterfahne ist ein erlaubtes Symbol!“ Ein Mann kommt auf ihn zu und sagt: „Vielen lieben Dank“, sagt der Mann mit russischen Akzent. „Wir müssen zusammenhalten, egal was die anderen sagen.“

Seit 77 Jahren gedenken die Menschen in Berlin der Befreiung von den Nationalsozialisten. Im Jahr 1945 beendeten die Alliierten in Berlin den Weltkrieg mit einer Besetzung, die den Frieden brachte, aber auch eine Teilung der Stadt in vier Sektoren. In der Stadt sind viele Denkmäler für diesen Tag verteilt, vor allem für die Sowjetunion, und an ihnen wurde am 8. Mai der Befreiung durch die sowjetische Armee gedacht.

Anders als sonst aber gab es in diesem Jahr keine Reden, keine großen Auftritte von Künstlern aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Feier zur Befreiung findet jetzt eben vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine statt. Um Konflikte zu vermeiden, hat Berlin ein ungewöhnliches Verbot erlassen: Sowohl russische als auch ukrainische Symbole sind am 8. und 9. Mai in der Nähe der Ehrenmäler nicht erlaubt. Ausgenommen von dem Verbot waren Botschaftsmitarbeiter und Veteranen des Weltkriegs.

Am Treptower Park, im Tiergarten, am Schönholzer Ehrenmal sowie an zwölf........

© Berliner Zeitung


Get it on Google Play