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Plage in Kreuzberg: Plötzlich war der Hinterhof schwarz vor Ratten

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06.05.2022

Im Juni blickt Seyhan F. aus ihrem Fenster im ersten Stock hinaus auf den Kreuzberger Hinterhof, in ihren Garten. Es wird das letzte Mal für eine lange Zeit sein, dass sie auf die etwa 40 Quadratmeter schaut. Denn sie sieht zum ersten Mal in ihrem Leben das, was man einen Rattenturm nennen könnte: mehrere Ratten, die wie verknotet übereinander gekuschelt auf dem Boden liegen, sich wieder trennen und zueinander drängen. Sie wirken, als seien sie an den Schwänzen zusammengebunden, als formten sie ein gemeinsames großes Tier, einen sich bewegenden und quiekenden Fellhaufen.

Seyhan F. ist eigentlich Tierliebhaberin, das ist wichtig, weil das bei ihr für alle Tiere gilt. Sie hat ein Vogelhaus auf einer Stelze stehen, ein weiteres hängt an der Wand, gleich neben einem Insektenhotel.

Im ersten Hof nistet manchmal ein Kauz, sagt sie, das kann man hören. Im Garten hat sie schon Habichte, Waschbären und Erdhummeln gesehen und sich immer gefreut über so viel Stadtnatur. Und als die Nachbarin einmal von Mäusen in der Wohnung berichtete, da war es Seyhan, die ihr anbot, die Tiere mit einer Lebendfalle zu fangen und sie ins Grüne zu tragen.

„Ich hab sie in Brandenburg freigelassen“, sagt sie. Auch gegen Tauben hat Seyhan F. nichts. Sie kann im Garten genau die Stelle im Baum zeigen, wo sich gerade eine Ringeltaube eingenistet hat. „So ungeschickt, das Tier, sie stolpert regelmäßig auf dem Weg zum Nest.“ Gerade als sie vom Vogel spricht, kommt er angeflogen und klettert ohne zu stolpern in sein Nest. Aber Ratten? „Ratten in dieser Menge ekeln mich dann doch, wenn ich nur eine bei uns in der Wohnung gesehen hätte, wären wir ausgezogen.“

Die Kreuzbergerin wohnt seit fast vier Jahren im Bergmannkiez, die Wohnung hat zwei Etagen, oben das Schlafzimmer, unten das Wohnzimmer mit Esstisch und dem Zugang zum Garten. Der ist groß, es gibt Blumen und Beete, eine........

© Berliner Zeitung


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