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Ostermärsche in Berlin: „Warum ist Putinversteher plötzlich ein Schimpfwort?“

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16.04.2022

Heiko Gaekel will, dass das Sterben aufhört, er will für den Frieden demonstrieren, aber gerade weiß er nicht, ob er hier am Oranienplatz richtig ist. „Das ist doch verrückt“, sagt er, „Tausende Tote, ein zerstörtes Land, niemand kann das wollen.“ Der 65-Jährige ist deshalb zum Oranienplatz gekommen, weil hier eine Friedensdemonstration angekündigt war, der traditionelle Ostermarsch der Friedensbewegung. „Aber ich bin gerade angesprochen worden, ob ich denke, ich sei hier richtig.“ Der Grund: Gaekel trägt eine Gelbe Jacke über einem blauen Hoodie. Und auf seinem Schild steht: „Frieden für Ukraine – Putin go home“.

Im besten Sinne vielfältig sind die Meinungen auf dem Platz. Geladen hatte zum Ostermarsch die Friedenskoordination, ein Zusammenschluss aus „friedenspolitisch Interessierten“. Laut Polizeisprecher waren es rund 400 Menschen, die sich trafen und anschließend zu einem Zug durch den Bezirk verabredet hatten. Sie halten Schilder in die Luft, auf denen steht:„Desertiert alle!“, „Keine Waffen für Ukraine!“, „Klimaschutz statt Rüstung!“, „Hände weg von Russland!“, „Für ein vereintes Eurasien!“.
Als kurz nach 12 Uhr die Reden auf dem Podium beginnen, wird noch einmal deutlich, wie unterschiedlich das Publikum ist, dass hier zusammengekommen ist.

Warum ist Putinversteher plötzlich ein Schimpfwort?

Almut Weinstein

Almut Weinstein gehört wohl zum Kernpublikum. Die 65-Jährige kommt fast jedes Jahr hierher, heute hält sie ein Schild in die Höhe: „Kein Krieg. Nirgends“. „Ich bin zunächst einmal froh, dass in diesem Jahr ein paar Menschen gekommen sind.“ Sie finde es schlimm, dass im Moment alles so polarisiert sei, sagt Almut........

© Berliner Zeitung


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