Krieg mit Kakerlaken statt Drohnen? Bundeswehr prüft neue Aufklärungstechnik

Kakerlaken, ausgestattet mit Biosensoren und gedacht für Aufklärungsmissionen in schwer zugänglichen Räumen: Was wie ein Szenario aus einem dystopischen Zukunftsroman klingt, wird im Umfeld der Bundeswehr getestet. Deren Cyber Innovation Hub (CIHBw) hat bei dem deutschen Unternehmen Swarm Biotactics Produktvorführungen beauftragt und lässt nach eigenen Angaben „eine geringe Anzahl von Biosensoren unter Rückgriff auf Kakerlaken testen“, um den möglichen Mehrwert der Technologie für die militärische Aufklärung zu bewerten.

Das geht aus einer Antwort auf Anfrage der Berliner Zeitung hervor. Demnach handelt es sich um Tests, nicht um eine reguläre Beschaffung oder einen bekannten operativen Einsatz. Der Sprecher teilte mit: „Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) als Abteilung der BWI GmbH hat Teststellungen in Form von Produktvorführungen bei der Swarm Biotactics GmbH beauftragt.“

Beleidigendes Merz-Plakat bei Wehrpflicht-Demo? Polizei ermittelt gegen 18-Jährigen

„Wir haben ein Leben zu leben“: Schüler protestieren in Berlin gegen Wehrpflicht

Lebende Kakerlaken zur militärischen Aufklärung?

Swarm Biotactics entwickelt nach eigenen Angaben Systeme, bei denen lebende Kakerlaken mit technischer Sensorik kombiniert werden. Ziel ist es, kleine und schwer zugängliche Räume zu erschließen, in denen herkömmliche Technik nur eingeschränkt einsetzbar ist oder mit deutlich größerem Aufwand operieren müsste. Der CIHBw beschreibt den Zweck der laufenden Tests ausdrücklich als Prüfung eines möglichen Nutzens für die militärische Aufklärung.

Wie weit die Erprobung bereits fortgeschritten ist, bleibt offen. Der Sprecher des CIHBw nennt weder eine genaue Zahl der getesteten Systeme noch nähere Angaben zu Dauer, Ort oder konkreten Einsatzszenarien. In der Antwort heißt es lediglich, eine „geringe Anzahl“ von Biosensoren werde getestet.

So steht es um den Tierschutz

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Vorgang, weil Swarm Biotactics selbst öffentlich bereits deutlich offensiver aufgetreten ist. Das Unternehmen hatte erklärt, die Bundeswehr als Abnehmer gewonnen zu haben. Auf die Frage, ob diese Darstellung aus Sicht des Verteidigungsministeriums zutrifft, antwortete der CIHBw-Sprecher knapp mit: „Das BMVg hat davon Kenntnis.“

Deutlicher fällt die Auskunft dort aus, wo es um die Prüfung rechtlicher und ethischer Fragen geht. Nach Angaben des CIHBw wurde vor der Beauftragung der Produktvorführungen die tierschutzrechtliche Zulässigkeit durch externe Gutachter geprüft. Darüber hinaus sei das Vorhaben durch die BWI GmbH sowohl in ethischer als auch in tierschutzrechtlicher Hinsicht bewertet worden.

Ob aus dieser Erprobung später eine weitergehende Beschaffung entstehen wird, bleibt offen. Genauso, welche Rolle solche Systeme künftig in der militärischen Aufklärung tatsächlich spielen könnten.


© Berliner Zeitung